Düstere Prognosen für Frauen in der Netzwerkbranche

26. November 2001, 19:37
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Studie: Österreich ist europäisches Schlusslicht

Wien - Knapp 94.000 Frauen werden im Jahr 2004 in der Netzwerkbranche in West-Europa tätig sein. Im Jahr 2000 waren es lediglich 42.000. Mit einem prozentuellen Anteil von 7,3 werden Frauen 2004 weiterhin stark unterrepräsentiert sein. Das ergab eine Studie, die IDC im Auftrag von Cisco Systems erstellt hat, bei der die 13 führenden Industrienationen West-Europas untersucht wurden. Die Zahlen sind in Österreich besonders alarmierend: Mit einem Anteil von 4,1 Prozent im Jahr 2000 und einer Entwicklung hin zu 4,7 Prozent im Jahr 2004, bildet Österreich das Schlusslicht bei dieser Studie. Vergangenes Jahr waren in absoluten Zahlen 1.413 Frauen in der Netzwerkbranche tätig, dieses Jahr sind es, so IDC, 1.689. Die Wachstumsrate entspricht für 2004 einer absoluten Zahl von 3.565 Frauen.

Spitzenreiter ist Frankreich

Absoluter Spitzenreiter ist laut IDC Frankreich: So hatte Frankreich bereits vergangenes Jahr den West-Europa-Schnitt von 2004 überschritten. So wird dort in drei Jahren der Anteil der Frauen auf dem Internet-Networking-Arbeitsmarkt mehr als 12 Prozent betragen. Die Vorreiter-Rolle Frankreichs wird von den VerfasserInnen der Studie so erklärt, dass die Französische Regierung hinsichtlich einer Austarierung der Geschlechteranteile in vielen Berufssparten sehr aktiv war. Einen relativ hohen Anteil von weiblichen Fachkräften können auch Großbritannien und Nordirland (2001: 6,5%) sowie Belgien (2001: 7,2%) und Spanien (2001: 7,2%) aufweisen. Neben Österreich (2001: 4,3%) liegen auch die Schweiz (2001: 4,9), Norwegen (2001: 5,5), Deutschland (5,3%), die Niederlande (2001: 5,3%), Italien (2001: 5,2%) und Dänemark (2001: 5,2%) im unteren Bereich der Skala.

So hätten Deutschland und Italien in den vergangenen Jahren versucht, den Mangel an ICT-Fachkräften mit der Immigration von Fachkräften zu bekämpfen, so die Studie.

Branche zu stark männerdominiert

Im Vergleich zu den fehlenden Networking-Fachkräften in den kommenden Jahren, ist die Steigerung des Frauenanteils zu gering. Während der Mangel an qualifizierten Networking-Fachkräften im Jahr 2000 199.000 ausmachte, werden es im Jahr 2004 etwa 538.000 in West-Europa sein. Die IDC-Erhebungen zeigen weiterhin, dass Frauen sich von Karrieren im Netzwerk-Bereich abgestoßen fühlen. Die Branche sei zu stark von Männern dominiert und zu 'nerdy'. Außerdem gebe es für Frauen kaum weibliche Vorbilder.

Um den Anteil der Frauen in der IT-Branche im Allgemeinen und der Netzwerkbranche im Besonderen deutlich zu erhöhen, bedarf es einer Vielzahl von Initiativen der Industrie und der Regierung - beziehungsweise deren Zusammenarbeit, so die IDC-Studie. Frauen müssten ermutigt werden, einen Networking-Beruf zu ergreifen. Außerdem müssten weibliche Vorbilder aufgebaut werden und die Karrierechancen deutlicher aufgezeigt werden.

Cisco will ausbauen

Cisco Systems gehört laut Presseaussendung zu jenen Unternehmen, die eine gemischte Belegschaft anstreben. Das manifestiere sich in der Anwerbung von Frauen und in der dauerhaften Bindung an das Unternehmen. "Weltweit sind über 17 Prozent der Angestellten bei Cisco Frauen, bei den Führungskräften mehr als 18 Prozent", erklärt Günther Brand, General Manager Cisco Systems Austria. "Diesen Anteil weiter auszubauen ist Teil eines strategischen Gleichstellungsplans. Als Teil dieses Plans wurde auch Silvia Allen als Gleichstellungsbeauftragte bei Cisco eingestellt."

"Mit unserem Cisco-Networking-Academy-Programm wollen wir natürlich auch verstärkt Frauen ansprechen", so Günther Brand. "Denn diese weltweite Non-Profit-Bildungsinitiative von Cisco Systems hat das Ziel, Studierende, Schüler und technisch Interessierte auf die beruflichen Anforderungen der Informationsgesellschaft vorzubereiten und sie als Netzwerktechniker auszubilden - und zwar neben ihrer herkömmlichen Ausbildung." Heute gibt es bereits 82 Akademien in Österreich. (red)

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