Provisionen mit Anziehungskraft

26. November 2001, 19:25
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Magnetfeldgeräte: Ministerium schreitet ein

Wien - Der Wirbel um den Verkauf von Gerätschaften zur Magnetfeldtherapie versetzt Österreichs Gesundheitsbehörden und Ärzteschaft derzeit in Schwingungen: Das Gesundheitsministerium kündigte am Montag eine Verordnung an, die Vertrieb und Werbung für diese Produkte einschränken soll. Der Österreichischen Ärztekammer indes bereitete es "Sorge, dass Ärzte in aggressive Vertriebsmodelle eingebunden" sind.

Profil berichtete in seiner jüngsten Ausgabe, dass niedergelassene Ärzte ihren Patienten Magnetfeldsysteme (insbesondere der Kärntner Firma "vita-life") zur Eigentherapie empfehlen. Die Geräte sollen sich vor allem zur Behandlung von orthopädischen Beschwerden und Rheuma eignen. Für jeden verkauften Apparat - Stückpreis 30.000 Schilling - kassieren die Mediziner laut dem Nachrichtenmagazin Provision; mindestens 250 Ärzte sollen in diesen Vertriebskanal eingebunden sein.

Diese magnetische Anziehungskraft der Provisionen will das Ministerium nun unterbinden. Spätestens Anfang Februar, erklärte Wolfgang Ecker, Leiter der Abteilung für Medizingeräte im Gesundheitsressort, dem STANDARD, werde die Verordnung des Gesundheitsministers zum Medizinproduktegesetz (MPG) in Kraft treten. Darin sei vorgesehen, dass Magnetfeldsysteme nur mehr "aufgrund ärztlicher Verschreibung abgegeben werden" können. Außerdem werde ein Werbungsverbot erlassen.

"Flankierend", so Ecker, werde in der Verordnung auch noch einmal auf einen bereits bestehenden Paragraphen des MPG hingewiesen. Demnach ist Ärzten jegliche Entgegennahme von (finanziellen) Vorteilen aus solchen Geschäften verboten. Die Landesregierungen prüfen laut Ecker nun, ob es nicht bereits Verstöße gegen diese Regelung gegeben hat - "wenn stimmt, was berichtet wird, wird der Paragraph sicher schlagend".

Anders sieht man das in der Ärztekammer: "Der Sachverhalt ist nicht gesetzlich geregelt. Ärzten ist solche Werbung nicht untersagt", erklärte ein Kammersprecher. Aber: Es sei zu klären, ob hier ein Missbrauch des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patienten vorliegt. (chr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.11.2001)

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