Honduras: Exzentralbankchef neuer Präsident

27. November 2001, 14:31
posten

Oppositionskandidat gewinnt die Präsidentschaftswahlen

Tegucigalpa/Montevideo - In Honduras hat bei den Präsidentschaftswahlen der konservative Oppositionskandidat Ricardo Maduro gesiegt. Der 55-Jährige von der Nationalen Partei lag ersten Ergebnissen zufolge mit 52 Prozent der Stimmen deutlich vor dem Kandidaten aus dem eben- falls konservativen Regierungslager, Rafael Pineda Ponce, der auf 43 Prozent kam.

Damit kommt es seit sieben Jahren erstmals wieder zu einem Machtwechsel in dem mittelamerikanischen Land. Pineda Ponce von der Liberalen Partei räumte wenige Stunden nach den ersten Hochrechnungen seine Niederlage ein, während sich der strahlende Maduro zum Sieger erklärte und mit Hunderten von Anhängern am Parteisitz in der Haupstadt Tegucigalpa feierte. Umfrageinstitute hatten mit den Sieg des dynamischen Unternehmers und ehemaligen Zentralbankchefs gerechnet, der den Wählern Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und eine harte Hand gegen die Kriminalität versprochen hatte.

Als eigentliche Überraschung werteten Analysten aber das relativ gute Abschneiden diverser kleiner Linksparteien, die mehrere Abgeordnete im Kongress stellen und damit in dem traditionellen Zwei-Parteien-System das "Zünglein an der Waage" spielen könnten.

Der neue Staatschef wird jedoch keine leichte Aufgabe vor sich haben. Das mittelamerikanische Land ist mit mehr als vier Milliarden Dollar im Ausland verschuldet und hängt vor allem vom Export traditioneller Agrarprodukte wie Kaffee und Bananen ab, deren Weltmarktpreise im Keller sind. Der durchschnittliche Monatslohn liegt bei knapp 78 Dollar, mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen arbeiten ohne formelle Beschäftigungsverhältnisse, ein Drittel kann weder lesen noch schreiben, 64 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze, weitere 20 Prozent nur knapp darüber. Korruption und Gewalt sind an der Tagesordnung. Viele Menschen hoffen, dass der ehemalige Xerox-Manager sein erfolgreiches Unternehmenskonzept auch auf den Staat übertragen kann. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 27.11.2001)

STANDARD- Korrespondentin Sandra Weiss
Share if you care.