Mission in unruhiger Arena

26. November 2001, 19:24
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EU-Emissäre William Burns und Anthony Zinni trafen in Nahost ein

Gut zehn verschiedene Versuche, einen Waffenstillstand zwischen Israelis und Palästinensern herbeizuführen, sind in den 14 Monaten der "Al-Aqsa-Intifada" gescheitert, doch die neueste amerikanische Initiative ist die erste seit dem 11. September, der, so glauben manche, die Spielregeln und die Interessenlage verändert hat. William Burns, Unterstaatssekretär für den Nahen Osten, ist der ranghöchste Diplomat in der US-Mannschaft, die Montagnachmittag in Jerusalem erwartet wurde, als neuer Schlüsselspieler wurde aber Anthony Zinni aufgestellt. Der 58-jährige Reservegeneral soll sich nun hauptamtlich dem verfahrenen Konflikt widmen und Israelis und Palästinensern so lange im Nacken sitzen, bis der Kleinkrieg endlich aufhört. Für heute war ein erstes Gespräch mit Israels Premier Ariel Sharon vorgesehen.

Zinni landete in einer Arena, die nach zwei Wochen relativer Beruhigung wieder so aufgewühlt ist wie zuvor. Gestern sprengte sich an der Grenze zum Gazastreifen ein Palästinenser in die Luft; die beiden Soldaten, auf die er es abgesehen hatte, kamen mit Verletzungen davon. Seit Donnerstag waren mindestens zehn Palästinenser getötet worden, darunter der führende Hamas-Terrorist, aber auch sieben Kinder. Die Palästinenser schießen regelmäßig mit primitiven Kanonen und Raketen auf jüdische Siedlungen. Am Samstag wurde dadurch ein israelischer Soldat getötet, die Israelis reagierten mit Raketenangriffen.

Erstes Etappenziel für Zinni dürfte ein totaler oder zumindest fast totaler Stopp der Gewalt und eine "hundertprozentige Anstrengung" Arafats sein, Terrorakte zu unterbinden und Terroristen zu verhaften - erst danach dürfte Israel zu politischen Konzessionen angehalten werden. "Mein Ziel und das Ziel meiner Regierung ist ein Waffenstillstand", sagte Sharon. Dies sei nun "ein wirklicher Test für Arafat". Die palästinensische Führung wirft aber Sharon vor, etwa durch die Fortsetzung der "Liquidierungen" von "Terroristen" jene Initiative torpedieren zu wollen, der radikale Palästinenser von vornherein keine Chance geben: "Wenn die US-Emissäre versuchen, die Intifada zu beenden, ohne die israelische Besetzung zu beenden, dann wird ihre Mission scheitern", sagte etwa Aufstandsführer Marwan Barguti. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 27.11.2001)

STANDARD- Korrespondent Ben Segenreich aus Tel Aviv
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