Männergesundheit vs. Gewalt gegen Frauen

24. Jänner 2002, 16:20
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Der ORF offenbart Prioritäten: Das ist uns eine Zitrone wert

Ob sie es nicht gewusst haben, ob es ihnen schlicht egal war oder ob die vergangene Betrifft-Sendung gerade wegen des "Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen" das Thema "Männer – das schwache Geschlecht?" hatte – wir werden es nie erfahren. Fest steht: Der Ausstrahlungszeitpunkt dieser ohnehin entbehrlichen Diskussion ist eine Ohrfeige in das bereits rotgeschwollene Gesicht der österreichischen Frauenpolitik.

Nicht nur, dass Frauen beim ORF eklatant wenig Öffentlichkeit zugestanden wird, denn diskutieren tun grundsätzlich- auch über Frauenthemen – Männer mit graumelierten Schläfen – nein, dieses Mal setzte man an einem frauenpolitisch besetzten Tag ein Männerthema ein.

Wobei: Das Thema an sich wäre eigentlich gar nicht uninteressant gewesen: Als Beitrag zur Diskussion über ein neues Männerbild, das vermeintliche "Stärken" als Schwächen erkennt und einen Weg aus der höllischen Geschlechterrolle des Hetero-Mannes sucht. Aber nichts da: Außer enervierender Selbstdarstellung und Plauderei auf Stammtischniveau nichts gewesen: Ein satter Scheidungsanwalt erläutert Österreich sein tägliches Fitnessprogramm, ein Hormonspezialist hat auf jede Wesensart des Mannes eine biologische Erklärung parat und eine österreichische, ziemlich bekannte Psychotherapeutin äußert sich "optimistisch" in bezug auf die neuen Geschlechterrollen.

Am Sonntag haben wir erfahren, dass die Männer von den Frauen Gesundheitsvorsorge, Eigenverantwortung und ein bewusstes Körpergefühl lernen sollen. Vielleicht können sich umgedreht die Frauen von den Männern das Lobbying abschauen, damit die weltumspannende, systemimmanente körperliche und psychische Gewalt gegen Frauen auch bald so viel Aufsehen erregt wie die angeblich mäandernde Männergesundheit.

(freu)

26.11.2001

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