Täuschend echte "Alte Meister" dank Digi-Cam

26. November 2001, 14:40
posten

Die "Selenographie" macht's möglich: Reproduktionen von Gemälden zu erschwunglichen Preisen

Wien - Reproduktionen von Gemälden aus den Beständen des Historischen Museums der Stadt Wien, von u. a. Schiele, Klimt, Waldmüller, in auf den ersten Blick selbst für Kenner nicht vom Original unterscheidbarer Qualität kann der geneigte Kunstfreund bald weltweit zu erschwinglichen Preisen (ca. 267 bis 1.170 Euro) erstehen. Das am Montag (26.11.), im Historischen Museum präsentierte Selenographische Verfahren macht's möglich. Dies sei nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle für das Museum, sondern auch für den wissenschaftlichen Bereich eine Errungenschaft, freute sich Direktor Günter Düriegl: "Wer würde sich da verschließen?"

Neue Tinten für den Drucker

Die in Wien entwickelte Methode wurde durch mehrere "genau zum richtigen Zeitpunkt" verfügbare Erfindungen ermöglicht, schilderte Hans Weiss von der Selenographischen Gesellschaft: Eine spezielle digitale Kamera der Firma Kodak, die mit den höchst auflösenden Scan-Zeilen (CCD-Zeilen) der Welt ausgerüstete Betterlight, erfasst pro Bild über 500 Megabyte an optischen Daten. Das ist mehr, als das Bild eigentlich enthält. Diese werden dann in einem speziellen Tintenstrahl-Druckverfahren mit bisher nicht verfügbaren sowohl licht- als auch farbechten Tinten auf Leinwände aufgebracht und mit bis zu acht dem Kunstwerk-Charakter entsprechenden Firnis-Schichten überzogen. Aus den einmal gewonnen Daten können ohne Qualitätsverluste beliebig viele Reproduktionen für den Verkauf erstellt werden.

Vermarktungsrecht

Das Recht, die so digital erfassten Bilder des Historischen Museums weltweit zu vermarkten, hat sich die SG für zehn Jahre exklusiv gesichert. Dem Museum kommen zehn Prozent der Einnahmen zu.

Fast "echte" Gemälde für Hotels

Mögliche Abnehmer der Reproduktionen sind neben den Kunstfreunden etwa auch Hotels, erklärt Manfred Thumberger von der SG. Wertvoll sei das Verfahren aber auch für die Wissenschaft, die die Reproduktionen für wissenschaftliche Arbeiten heranziehen könnten. Wichtig sei, dass die Reproduktionen von der SG "im Auftrag der Museen als Partner der Museen" gemacht würden, betonte Thumberger. "Wir leben davon, dass wir glaubwürdig bleiben". Daher lege man "peniblen" Wert auf gesicherte Rechte an den Bildern. (APA)

Share if you care.