UNO-Beauftragte Brahimi und Vendrell in Schlüsselrollen

26. November 2001, 13:58
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Algerier und Spanier mit Erfahrung bei Friedensgesprächen

Bonn - Der Ausgang der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn wird wesentlich auch vom Vermittlungsgeschick der beiden UNO-Spitzendiplomaten Lakhdar Brahimi (67) und Francesc Vendrell (61) abhängen. Beide Unterhändler für eine Friedenslösung gelten als exzellente Kenner der vielschichtigen politischen Interessen in Afghanistan, die auf einen Nenner gebracht werden sollen.

Der UNO-Sonderbeauftragte für Afghanistan, der Algerier Brahimi, ist ein krisenerprobter und überaus erfahrener Diplomat, der auf jahrelange Verhandlungen mit den afghanischen Gruppierungen zurückblicken kann. Er ist auch Architekt des Fünf-Punkte-Plans zur Befriedung Afghanistans, der auf dem Petersberg auf dem Tisch liegt.

Lorbeeren

UNO-Generalsekretär Kofi Annan beauftragte Brahimi schon Anfang Oktober mit der Koordination und Aufsicht über alle politischen, humanitären und menschenrechtlichen UNO-Anstrengungen in Afghanistan. Der leicht gebeugte, grau melierte und liebenswürdige Diplomat (von 1991 bis 1993 auch Außenminister Algeriens) bekleidete den gleichen Posten schon einmal von 1997 bis Oktober 1999, bevor er ihn aus Frustration über mangelnde Fortschritte mit den Taliban ruhen ließ.

Lorbeeren verdiente sich Brahimi als Leiter verschiedener UNO-Missionen - von Südafrika bis Haiti. Von 1984 bis 1991 diente Brahimi der Liga der Arabischen Staaten als Untergeneralsekretär. Unter Leitung Brahimis wurde im Jahr 2000 ein umfassender Bericht ("Brahimi Bericht") über den Zustand aller UNO-Friedensmissionen mit Vorschlägen für Verbesserungen vorgelegt.

Erfahrungen mit Friedensverhandlungen

Als neuer UNO-Gesandter für Afghanistan suchte seit Februar 2000 der Spanier Vendrell zwischen Taliban und Nordallianz zu vermitteln. Als Stellvertreter Brahimis bringt Vendrell jetzt frische Eindrücke direkt aus Kabul mit auf den Petersberg. Der weißbärtige Karrierediplomat steht schon seit 1968 in UNO-Diensten.

Erfahrungen mit Friedensverhandlungen hat der Mann aus Katalonien: Anfang der neunziger Jahre wirkte er an den Friedensverhandlungen zwischen Nicaragua und El Salvador sowie in Haiti mit. Zwischen 1990 und 1992 war er als UNO-Sonderbeauftragter in Guatemala an der ersten Phase der Friedensgespräche beteiligt, 1992 war er als Gesandter im Kaukasus unterwegs. Sieben Jahre später war er der Sonderbeauftragte von UNO-Generalsekretär Kofi Annan in Osttimor.

Neben seiner Arbeit bei der UNO lehrt Vendrell an verschiedenen Universitäten, und auch in dem Bereich zeigt er sich äußerst weltgewandt: Neben den US-Universitäten Yale (Connecticut) und Rutgers (New Jersey) unterrichtete er Internationales Recht in Den Haag sowie Verfassungsrecht auf Papua-Neuguinea. (APA/dpa)

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