Vier Gruppen zur Petersberger Konferenz eingeladen

26. November 2001, 13:45
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Übergangsregierung für Afghanistan angestrebt

Frankfurt/Main - Die Vereinten Nationen haben vier afghanische Delegationen nach Bonn eingeladen, um über die Grundlagen für eine gemeinsame Übergangsregierung zu beraten. Dabei handelt es sich um die folgenden Gruppen, die in der Regeln nicht ihre Spitzenpolitiker nach Bonn geschickt haben.

1) Die Nordallianz (Nationale Islamische Einheitsfront zur Befreiung Afghanistans) hat nach dem Abzug der Taliban vom 13. November die faktische Macht übernommen. Ihre nach Bonn entsandte elfköpfige Delegation (darunter drei Abgesandte mit Beraterstatus) steht jetzt unter dem internationalen Druck, die Macht an eine Übergangsregierung unter Einschluss aller Volksgruppen abzugeben. Innerhalb der Nordallianz gibt es mehrere Gruppen, die in den vergangenen Jahren nur durch den gemeinsamen Widerstand gegen die Taliban zusammen gehalten wurden. Besonders einflussreich sind derzeit: a) die Partei Jamiat-i-Islami (Islamische Gemeinschaft) des tadschikischen Politikers Burhanuddin Rabbani, der von der UNO weiter als Präsident anerkannt wird; vor allem die Kämpfer dieser Partei sind in Kabul eingerückt; b) die Partei Jonbesch-i-Milli (Nationale Islamische Bewegung) des Usbekenführers Rashid Dostum mit dem regionalen Zentrum Mazar-i-Sharif; c) die Partei Hesb-i-Wahadat (Islamische Einheit Afghanistans), die die schiitische Minderheit der Hasara vertritt und von Iran unterstützt wird; d) die Gruppe des ehemaligen Gouverneurs Ismail Chan mit der westafghanischen Stadt Herat als regionalem Zentrum.

2) die Rom-Gruppe um den ehemaligen König Mohammed Zahir vertritt den größten Teil der Exil-Afghanen. Der 1973 gestürzte König ist Paschtune, doch der elfköpfigen Delegation (darunter drei Berater) des in Rom gebliebenen Exmonarchen gehören auch Usbeken, Tadschiken und Hasara an. Zwei Frauen, die in Deutschland lebende Rona Jusuf Mansuri und die in den USA lebende Sima Wali, haben sich bisher vor allem mit der Situation der Frauen in Afghanistan beschäftigt.

3) die Peshawar-Gruppe vertritt die Versammlung für Frieden und Nationale Einheit, ein Bündnis von 18 zumeist paschtunischen Parteien. Die fünfköpfige Delegation (darunter zwei Berater) wird geleitet von Sjed Hamid Gailani, einem Sohn von Pir Gailani, dem Vorsitzenden des Parteienbündnisses. Die Militärregierung Pakistans dringt auf eine angemessene Beteiligung der Paschtunen an einer neuen Regierung. Nicht in Bonn dabei sind die überwiegend paschtunischen Taliban, die noch die Stadt Kandahar und den Süden Afghanistans unter ihrer Herrschaft haben.

4) die Zypern-Gruppe vertritt rund 100 afghanische Exilpolitiker und Stammesführer um den ehemaligen afghanischen Außenminister Homajun Jalil. Zu der fünfköpfigen Delegation (darunter zwei Berater) gehört Humajun Jarir, ein Schwiegersohn des Mudschahedin-Führers Gulbuddin Hekmatjar, dem Gräueltaten im Bürgerkrieg um Kabul vorgeworfen werden. Die Zypern-Gruppe bemühte sich schon bisher in Kontakten mit der Nordallianz und der Rom-Gruppe um die Einberufung einer Loja Jirga, einer traditionellen Großen Versammlung aller Stämme und politischen Gruppen in Afghanistan. (APA/AP)

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