Wiener Gesundheits- Stadträtin Pittermann: "Fristenlösung muss bleiben"

26. November 2001, 14:13
1 Posting

Zahl der Schwangerschafts- abbrüche ging nach Liberalisierung zurück

Wien - "Mit der Liberalisierung dieser Eingriffe ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche deutlich zurückgegangen, europaweit gezeigt. Die Befürchtungen der Abtreibungsgegner sind also nicht eingetreten", stellte Peter Wagenbichler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) in einer von der Stadt Wien organisierten Enquete fest.

Indikation statt Frist?

Wiens Gesundheitsstadträtin, Elisabeth Pittermann-Höcker tritt für die Beibehaltung der österreichischen Fristenlösung ein, wie sie 1975 eingeführt worden war. Sie fürchtet aber, dass die schwarz-blaue Bundesregierung die Ankündigungen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel umsetzen und statt der Fristenlösung eine Indikationslösung einführen wird. "Eine Indikationslösung wäre Heuchelei pur", findet Pittermann. Die besser Gebildeten hätten mehr Chancen, einen Grund zum Schwangerschaftsabbruch zu finden, während die Ärmeren, die sich nicht so gut ausdrücken können, auf der Strecke blieben.

Vereinheitlichung der Kosten

Weiter verbessern will Pittermann aber die Aufklärung für Burschen und Mädchen. Zudem sollen die Kosten für Abtreibung, die in Wien zwischen 6.000 und 12.800 Schilling schwanken, auf 6.000 Schilling vereinheitlicht werden.

Mit geschätzten 20.000 Abtreibungen pro Jahr liegt Österreich im europäischen Mittelfeld. Tendenz sinkend. Die Hälfte davon geschieht in Wien. Auch deshalb, weil Tirolerinnen, Vorarlbergerinnen, Salzburgerinnen, Kärntnerinnen und Burgenländerinnen keine Möglichkeit haben, in den Kliniken ihres Bundeslandes abzutreiben und so den innerösterreichischen Schwangerschaftstourismus ankurbeln.

Partnerbeziehung, Einkommen und Alter spielen bei Abtreibungen eine große Rolle, zitiert Wiens Frauengesundheitsbeauftragte Beate Wimmer-Puchinger aus einer Studie des Boltzmann-Institutes. 69 Prozent der Frauen, die abtreiben, sind unverheiratet und haben ein Durchschnittseinkommen von unter 15.000 Schilling. 40 Prozent treiben auf Drängen des Partners ab, 20 Prozent ohne dessen Wissen und 40 Prozent treffen diese Entscheidung gemeinsam.

Und nur eine kleine Minderheit von 20 Prozent hätte mit einer positiven Reaktion der Männer rechnen können, wenn sie sich für das Kind entschieden hätten. Wimmer-Puchinger Schlußfolgerung daraus: zwar Männer und Burschen bei der Verhütung mehr einbeziehen, dann aber die Entscheidung den Frauen überlassen. "Die Entscheidung muß bei der Frau bleiben".
Lydia Ninz

Share if you care.