Österreich könnte Sechsfaches seines Trinkwasserkonsums exportieren

26. November 2001, 18:28
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Studie: Vier Milliarden Kubikmeter "Reserve" in einem Normaljahr

Wien - Österreich könnte mit den ihm zur Verfügung stehenden Wasserreserven in einem Normaljahr bis zu sechs Mal mehr Wasser exportieren als in ganz Österreich an Trinkwasser konsumiert wird - und zwar auf eine Art und Weise, in der Natur und Wirtschaft nicht zu Schaden kommen. Dies ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten Studie der Grazer Joanneum Research. Die "Wasserschlösser", in denen zusätzliches Quellwasserpotenzial vorhanden ist, sind regional sehr unterschiedlich verteilt: Während es im Einzugsgebiet etwa der Wiener Hochquellenwasserleitung kaum zusätzlich nutzbares Wasser gibt, schlummern in anderen Regionen der Steiermark, aber auch Tirols und Kärntens große Mengen an "weißem Gold".

Die Studie, die im Auftrag des Ministeriums für Land- und Frostwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) erarbeitet worden ist, stellt fest, dass in Normaljahren rund 4 Mrd. Kubikmeter Wasser aus den alpinen Gebieten über den Verbrauch hinaus für "anderweitige Nutzungen" zur Verfügung stehen. Derzeit gelangen in Österreich rund 750 Mill. Kubikmeter pro Jahr über die Leitungen zur Verteilung. Von der Studie, die vom Grazer Universitätsprofessor Hans Zojer geleitet wurde, sind lediglich die alpinen Bereiche erfasst, die Wasserpotenziale der böhmischen Masse (Niederösterreich, Oberösterreich) und des Ausläufers der pannonischen Tiefebene (Burgenland) wurden nicht erfasst.

Überfluss auch in trockenen Jahren

Die Arbeit sei auf die einzelnen alpinen Gebirgsmassive konzentriert und erhebe "keinen Anspruch auf eine lokale Verwertbarkeit", betonte Zojer in Wien bei der Präsentation. Auch die Frage, ob und auf welche Weise das bezifferte Wasserpotenzial tatsächlich nutzbar zu machen sei, könne auf Basis der vorgelegten Studie nicht beantwortet werden.

Selbst in "extremen Trockenjahren" - so das Ergebnis - würden im Bundesgebiet rund 650 Mill. Kubikmeter pro Jahr zusätzlich zur Verfügung stehen, die ohne Schaden entnommen werden könnten. Dies entspricht größenordnungsmäßig einem heutigen österreichischen Jahresbedarf an Leitungswasser.

Wasserschlösser Tirol, Steiermark, Kärnten

Besonders große zusätzlich nutzbare Wasserpotenziale schlummern in den Bundesländern Tirol, Steiermark und Kärnten, wo zusammen knapp drei Viertel des bundesweit festgestellten zusätzlich nutzbaren Quellwasserdargebots anfallen. In anderen Gebieten, wie etwa am Hochschwab oder am Schneeberg, aber auch in den Gebirgsstöcken rund um Salzburg, im Klagenfurter Becken, und im Grazer Bergland, ist nur wenig zusätzliches Quellwasser verfügbar, weil dieses bereits relativ stark genutzt wird. In diesen Gebieten solle keinerlei zusätzliche Nutzung oder eine solche "nur nach sehr eingehender Detailuntersuchung" erfolgen, wird in der Studie empfohlen.

Wasserexperte Zojer verwies auf die relativ wasserarmen Gebiete in Nieder- und Oberösterreich sowie im Burgenland und meinte, vor eventuellen Exportüberlegungen solle man sehen, "ob es nicht notwendig ist, einen regionalen Verbund, ein Versorgungsnetzwerk über Österreich zu legen". Bei den von ihm erhobenen Größenordnungen gehe es bei einer allfälligen wirtschaftlichen Verwertung jedenfalls nicht um einen Verkauf von Wasser in Flaschen - die für ein solches Vorhaben notwendige Menge fiele selbst in den wasserärmeren alpinen Gebieten nicht ins Gewicht. Aus welchen Gebieten Wasserexporte in großen Mengen tatsächlich nachhaltig machbar und wirtschaftlich sinnvoll seien, müsse in lokalen Studien geklärt werden., sagte Zojer. (APA)

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