Afghanische Parteien kommen auf dem Petersberg zusammen

26. November 2001, 12:34
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32 Delegierte sollen Grundstein für neue Zukunft legen - Konferenz wird am Dienstag eröffnet

Königswinter - Einen Tag vor Beginn der Afghanistan-Konferenz in Deutschland sind die bereits eingetroffenen Delegationsmitglieder zu ersten Vorgesprächen zusammengekommen. Auch der UNO-Sonderbeauftragte Lakhdar Brahimi nahm getrennte Beratungen mit den Parteien und Stammesführern auf. Von den 32 eingeladenen Delegierten waren bis Montag vormittag etwa zwölf auf dem Petersberg bei Bonn eingetroffen, wie ein Sprecher des deutschen Auswärtigen Amts in Königswinter mitteilte.

Die Konferenz soll nach Ankunft aller Teilnehmer am Dienstag offiziell eröffnet werden. Entsprechend einem Fünf-Punkte-Plan der Vereinten Nationen wollen die Delegierten innerhalb von 10 bis 14 Tagen die Grundlagen für die Bildung einer Übergangsregierung legen, die auf die Unterstützung aller Volksgruppen bauen und das vom Krieg zerstörte Land in eine neue Zukunft führen soll. Nach siebenwöchigen Luftangriffen der USA und dem Sturz der Taliban-Herrschaft in Kabul liegt die Macht jetzt faktisch bei der Nordallianz, in der Afghanen tadschikischer und usbekischer Abstammung dominieren.

Erster Erfolg

In Kreisen der deutschen Vorbereitungsgruppe wurde es bereits als Erfolg gewertet, dass sich alle Gruppen erstmals an einen Tisch setzen. Mit jeweils elf Delegierten stellen die afghanische Nordallianz und die Rom-Gruppe des ehemaligen Königs Mohammed Zahir Schah die größten Abordnungen. Mit jeweils fünf Delegierten sind die überwiegend von Paschtunen gebildete Peshawar-Gruppe und die Zypern-Gruppe der dort im Exil lebenden Afghanen auf dem Petersberg vertreten. In den beiden großen Delegationen haben jeweils drei, in den kleineren Delegationen jeweils zwei Abgesandte Beraterstatus.

Die Nordallianz erhofft sich vom Afghanistan-Treffen in Bonn Schritte zum Frieden und zu einem politischen Neuanfang. "Wir erwarten klare Zusagen für einen Fahrplan, wie es weiter gehen soll", sagte der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, am Montag in Kabul. "Auf unserer Seite gibt es den festen Willen, diese Gespräche zu einem Erfolg zu machen", sagte Abdullah. Er warnte vor zu großen Erwartungen. Die Konferenz von Bonn sei "sehr bedeutsam", sagte Abdullah. "Aber dies ist nicht das letzte Treffen", fügte er hinzu.

Interessen der Nachbarstaaten

Die iranische Regierung hat die Teilnehmer der Konferenz aufgerufen, die Interessen der Nachbarstaaten Afghanistans zu berücksichtigen. Der Iran werde "jede Entscheidung über Afghanistan im Rahmen der UNO" akzeptieren, sagte ein Vertreter des Außenministeriums der Tageszeitung "Iran" vom Montag. Für die Regierung in Teheran seien auch die Interessen der Afghanen wichtig.

Wichtigstes Ziel der Afghanistan-Konferenz (Punkt 1 des UNO-Plans) ist die Bildung eines provisorischen Rates (Punkt 2), der für die Dauer von etwa zwei Jahren eine Übergangsverwaltung für Afghanistan einsetzen soll (Punkt 3). In einem vierten Schritt ist die Einberufung der traditionellen Großen Versammlung (Loja Dschirga) von Politikern, Stammesältesten und Gelehrten aller Volksgruppen geplant. Eine neue Verfassung und eine stabile Regierung schließen in der fünften Phase den politischen Prozess ab.

"Das afghanische Volk braucht dringend Frieden, um das Land wieder aufzubauen", sagte am Sonntagabend UNO-Sprecher Ahmad Fawzi in Königswinter. "Mit der Einwilligung, hierher zu kommen, haben die Parteien einen guten Anfang gemacht. (APA/AP/dpa)

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