Experte Huber: "Eine Spielerei"

26. November 2001, 17:04
posten

Wiener Universitätsprofessor hält von dem Experiment eher wenig

Wien - Vom wissenschaftlichen Standpunkt hat die gemeldete Klonierung eines menschlichen Embryos laut einem Wiener Experten kein besonderes Gewicht. Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Vorstand der klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung, nannte das Verfahren eine "Spielerei", es sei "keine intellektuelle Hochleistung".

Die Kritik des Experten gründet sich vor allem darauf, dass die angewendeten Verfahren bekannt sind. "Die Teilung von Eizellen ohne Befruchtung kennen wir seit rund 30 Jahren, und auch die Klonierung von Embryonen ist vor rund zehn Jahren bereits durchgeführt worden", sagte Huber. Aber: "Solche Sachen versprechen immer Brisanz", daher gebe es gerade jetzt große Aufregung um die Arbeit des US-Teams. Huber: "Man muss eben Interesse wecken."

Versuch der Beruhigung

Der Mediziner bezeichnete das Aufsehen um diese Klonierung als eher "kontraproduktiv, weil man damit ohnehin nicht viel machen kann". Es wundere ihn, dass man ohne ausreichende Tierversuche an die Klonierung eines menschlichen Embryos herangehe. "Ich brauche ja auch bei jedem Medikament eine umfangreiche Tierversuchsreihe, bevor ich es auf den Markt bringe. In diesem Fall gibt es so etwas überhaupt nicht", konstatierte Huber.

Der Wissenschafter wies darauf hin, dass der menschliche Körper selbst eine Art Stammzellen-Klonierung betreibe. "Viel interessanter ist es, wie er das tut - und das wird derzeit erforscht", sagte Huber. Dies sei auch wesentlich aussichtsreicher für medizinische Belange, erklärte der Experte. (APA)

Share if you care.