Allianz-Chef Schulte-Noelle:Terrorfolgen noch nicht überstanden

26. November 2001, 09:42
posten

AXA kündigt hoch riskante Polizzen - Beide Unternehmen wollen staatliche Risikoübernahme über bestimmten Haftungsgrenzen

München/Paris - Die Krise an den internationalen Finanzmärkten nach den Terroranschlägen vom 11. September ist nach Ansicht von Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle noch lange nicht ausgestanden. "Wir sollten uns nicht zu sicher fühlen", sagte Schulte-Noelle der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe). Wegen der Entwicklung in Afghanistan sei an den Börsen zuletzt ein Gefühl der Erleichterung eingetreten. "Ich glaube aber nicht, dass die Geschichte schon vorüber ist. Wir müssen wachsam bleiben." Die Terroranschläge kosten die Allianz demnach netto rund 1,5 Mrd. Euro (20,6 Mrd. S) an Schadenszahlungen für das World Trade Center. Viel teurer für den Konzern sei aber der Kursverlust an den Weltbörsen.

Schulte-Noelle sprach sich für den vom Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) angeregten Pool für künftige Terrorschäden aus, der die Haftung der Versicherungen nur noch bis zu einer bestimmten Obergrenze vorsieht. "Schäden, die darüber hinausgehen, müsste die Regierung übernehmen", so der Allianz-Chef. "Wenn sie das tut, wird die Versicherungsbranche hohe Kapazitäten für den Pool zur Verfügung stellen." Eine genaue Zahl wollte Schulte-Noelle nicht nennen. Die bisher im Gespräch befindliche Zahl von einer Mrd. Euro sei aber "bestimmt zu wenig".

AXA kündigt hoch riskante Polizzen

Der französische Versicherungskonzern AXA SA, Paris, hat sämtliche Versicherungspolizzen für hoch riskante Geschäfte gekündigt. Einem Artikel der Zeitung "Wall Street Journal Europe" (WSJE) von Montag zufolge kann der Konzern ohne staatliche Unterstützung keine Assekuranz gegen Terroranschläge mehr bieten. Die Regierung müsse nun klarstellen, wie sich Versicherer angesichts des Verhaltens von Rückversicherern benehmen sollen, so ein AXA-Sprecher laut WSJE.

Hintergrund des Konflikts ist eine Gesetzgebung in Frankreich, die von der Praxis in anderen europäischen Staaten abweicht. Per Gesetz werden Versicherungskonzerne verpflichtet, Risken Terroranschlägen abzudecken. Jedoch weigern sich nach Aussage dieser Konzerne nun die Rückversicherer, derartige Fälle abzusichern. Deshalb müsse der Staat nun in die Lücke eintreten, fordern die französischen Versicherer.

AXA kündigte ferner eine Anhebung ihrer Versicherungsprämien um 35 bis 80 Prozent an. Die neuen Konditionen sollen laut WSJE ab Anfang 2002 gelten. Eine Reihe von riskanten Geschäftstätigkeiten wolle der Konzern gar nicht mehr versichern, schreibt die Zeitung. So könne es passieren, dass Produktionsstätten, große Gebäude und sogar Supermärkte auch gegen höheres Entgelt keine Versicherungsverträge mehr abschließen könnten. (APA/vwd)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.