Ein Schicksalsschlag wies Maduro den Weg zur Kandidatur

26. November 2001, 09:03
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Künftiger Präsident von Honduras will hart gegen Kriminalität durchgreifen

Tegucigalpa - Das Wahlkampfversprechen Ricardo Maduros, als Präsident von Honduras gegen die Kriminalität hart durchzugreifen, wirkt glaubwürdig: der 55-jährige Sieger der Präsidentenwahlen vom Sonntag ist selbst ein Leidtragender der Gewaltwelle in dem mittelamerikanischen Land; 1997 hatten Kidnapper seinen Sohn ermordet. Dieser Schicksalsschlag bewog den Unternehmer nach eigenen Worten, sich wieder stärker öffentlich zu engagieren.

Maduro hatte sich schon einmal aus der Politik zurückgezogen, nachdem seine Partei 1994 nach vier Regierungsjahren in die Opposition geschickt worden war. Unter Präsident Rafael Callejas (1990-1994) war der Ökonom, der an der Universität Standford (USA) studiert hatte, Präsident der Zentralbank und Chef des Wirtschaftskabinetts. Als solcher war er für ein schmerzhaftes, aber wegen der praktischen Zahlungsunfähigkeit des Landes wohl unvermeidliches Stabilisierungsprogramm verantwortlich.

Kandidatur nach Tod des "natürlichen Kandidaten"

Nach dem Tod seines Sohnes gründete Maduro eine Stiftung zur Verbesserung des Erziehungswesens in Honduras. Zur Kandidatur für das Präsidentenamt entschloss er sich aber erst nach dem Tod des Bürgermeisters von Tegucigalpa, Cesar Castellanos, der bei den Rettungsarbeiten nach dem Hurrikan "Mitch" Ende 1998 mit einem Hubschrauber verunglückte. Castellanos hatte als "natürlicher Präsidentschaftskandidat" gegolten. Politische Gegner versuchten erfolglos, Maduros Kandidatur mit dem Hinweis auf seinen Geburtsort im Ausland anzufechten.

Zu Maduros Zielen zählt neben der Verbrechensbekämpfung auch eine Verbesserung des Bildungswesens. Wirtschaftspolitisch ist Maduro ein Liberaler, der aber auf den Staat setzt, wenn es darum geht, mit einer Anti-Monopol-Gesetzgebung die Voraussetzungen für den freien Wettbewerb zu schaffen. Als der "modernere Kandidat" war Maduro auch der Favorit der internationalen Geldgeber des Landes. Er ist nicht durch Korruptionsskandale belastet - was aber nicht für einige seiner engsten politischen Vertrauten wie den Ex-Präsidenten Callejas gilt. (APA/dpa)

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