Honduras: Rechts- Opposition gewinnt Präsidentschaftswahl

26. November 2001, 15:13
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Wahlsieger Ricardo Maduro setzt auf Kampf gegen Kriminalität

Tegucigalpa - Bei der Präsidentschaftswahl in Honduras hat es nach sieben Jahren erstmals wieder einen Machtwechsel gegeben. Nach Auszählung von etwa einem Drittel aller Stimmen lag Ex-Zentralbankpräsident Ricardo Maduro von der oppositionellen Partido Nacional (PN) mit knapp 53 Prozent neun Prozentpunkte vor dem Kandidaten der regierenden Partido Liberal (PL), dem 71-jährigen Parlamentspräsidenten Rafael Pineda. Der 55-jährige liberalkonservative Ökonom und Unternehmer wird voraussichtlich am 27. Jänner Nachfolger von Carlos Flores, der selbst nicht mehr kandidieren durfte. In einer ersten Reaktion kündigte Maduro einen entschlossenen Kampf gegen "Armut und Verbrechen" an. Pineda räumte seine Niederlage ein.

"Historisches Mandat"

Maduro hatte sich bereits vor der Bekanntgabe der ersten offiziellen Ergebnisse zum Wahlsieger erklärt. Vor Tausenden begeisterten Anhängern sprach er von einem "historischen Mandat" für eine bessere Zukunft des Landes. Pineda wie Maduro gehören dem konservativen Lager an. Ihre Wahlplattformen unterschieden sich kaum: Beide gingen mit dem populären Versprechen in den Wahlkampf, sich ganz dem Kampf gegen Armut und Kriminalität zu verschreiben.

Maduros Versprechen, hart gegen das Verbrechen durchzugreifen, wirkt jedoch durchaus glaubwürdig: Sein Sohn war vor vier Jahren entführt und ermordet worden, daraufhin beschloss er nach eigenen Angaben, sich wieder stärker in der Politik zu engagieren. Kein Hehl machte er während des Wahlkampfs aus seiner Bewunderung für New Yorks scheidenden Bürgermeister Rudolph Giuliani und dessen "Null-Toleranz"-Politik gegenüber der Kriminalität.

Schwere wirtschaftliche Krise

Maduro, der an der Universität Stanford (Kalifornien) studiert hatte, war Anfang der 90er Jahre unter Präsident Rafael Callejas Präsident der Zentralbank und Wirtschaftsbeauftragter. Angesichts der schweren wirtschaftlichen Krise leitete er erstmals ein strenges Stabilisierungsprogramm ein mit Steuererhöhungen und einer massiven Abwertung der Landeswährung. Nachdem seine Partei 1994 nach vier Regierungsjahren wieder in die Opposition zurück geschickt wurde, zog sich Maduro aus der Politik zurück.

Zu den größten Herausforderungen für den künftigen Präsidenten zählt neben der Gewaltkriminalität die Massenarmut in Honduras. Den 8.000 schlecht bezahlten Polizeibeamten des Landes stehen schätzungsweise 30.000 Mitglieder organisierter Banden gegenüber. Die Arbeitslosenquote liegt bei rund 35 Prozent. 80 Prozent der 6,3 Millionen Bürger von Honduaras leben unter der Armutsgrenze; 40 Prozent können weder lesen noch schreiben. Der Verfall der Kaffeepreise sowie Dürre- und Flutkatastrophen haben der Wirtschaft des Landes zusätzlich schwer zugesetzt. Noch hat sich das Land von den Auswirkungen des Hurrikans "Mitch" von 1998 nicht erholt.

Friedlicher Wahlverlauf

Neben einem Nachfolger für den amtierenden Präsidenten Carlos Flores wählten die 3,4 Millionen Stimmberechtigten drei Vizepräsidenten, ein neues Parlament sowie 298 Bürgermeister. Maduros PN wird demnach künftig auch die Bürgermeister in der Hauptstadt Tegucigalpa und der Industriemetropole San Pedro Sula stellen. Insgesamt verliefen die Wahlen nach Angaben der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) friedlich.(APA)

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