Paris: Prozess gegen Folter-General läuft

27. November 2001, 14:11
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24 Gefangene gefoltert und getötet - 83-Jähriger tritt ohne Reue vor Gericht

Paris - In Frankreich hat am Montag der Prozess gegen einen 83-jährigen General begonnen, der sich öffentlich zu Folterungen während des Algerienkrieges bekannt hat. Vor dem Pariser Strafgericht wird Paul Aussaresses wegen Beteiligung an der "Rechtfertigung von Kriegsverbrechen" der Prozess gemacht. Ihm droht eine Haftstrafe von fünf Jahren und eine Geldstrafe von 300.000 Franc (45.735 Euro/629.323 S).

Der Prozess ist auf drei Tage angesetzt. Der 83-Jährige hatte in einem im Mai erschienenen Buch beschrieben, wie auf seine Anweisung 24 algerische Gefangene gefoltert und getötet wurden. Dass er seine Bekenntnisse ohne jede Reue veröffentlichte und seine Taten rechtfertigen wollte, hatte in Frankreich eine heftige Debatte um die Kriegsverbrechen der französischen Armee während des von 1954 bis 1962 dauernden Algerienkrieges ausgelöst.

Aussaresses wurde angeklagt; die Armee untersagte ihm das Tragen seiner Uniform. "Ich sehe diesem Prozess gelassen entgegen", sagte der einäuige General. Der Prozess ermögliche es ihm, sich "über eine wichtige Epoche der französischen Geschichte" zu äußern. "Eine Epoche, in der wir gegen Terroristen kämpften." Die Folter sei damals "nützlich und notwendig" gewesen. Außer Aussaresses sind auch die beiden Verleger angeklagt, die im Mai sein Buch "Spezialdienste, Algerien 1955-57" herausgaben. Als Zivilkläger treten drei Menschenrechtsverbände auf. Für die Verbrechen des Algerienkrieges hatte die französische Justiz 1968 eine Amnestie erlassen; die jetzt erhobene Anklage fällt unter eine selten angewandte Bestimmung des französischen Strafrechts. (APA)

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