Lali Puna: Elementare Schönheit

17. Oktober 2002, 14:49
4 Postings
When you put your hands over your ears you don't hear me /
when you close your eyes you don't see me /
it's like I've never been here /
and you've never known me ...

Als vor zwei Jahren Lali Punas "Tridecorder" wie aus dem Nichts erschien, war spätestens nach neun Minuten und sieben Sekunden klar, dass man eines der besten Alben des Jahres in Händen hielt: So lange dauerte es, die poetische Eröffnungsnummer "6 - 0 - 3" und das spröde, Portugiesisch wie Russisch klingen lassende "Rapariga da banheira" zu hören ... und zu verstehen, dass hier etwas Großes und Neues entstanden war.

Es schloss sich ein Album an, das die Beats und Plucker-Sounds der Neuen Elektronischen Musik so selbstverständlich wie anmutig mit Frühachtziger-Einsprengseln kombinierte, dass Mouse on Mars plötzlich mit der Düsterkultur von anno dunnemals vereinbar wurden und in Summe Pop ergaben. Und gipfelte schließlich im meditativen "Fast Forward": elektronischer Bass, gesampelte Streicher und rezitativ vorgetragener Gesang ergänzten sich hier zu einem Stück von so atemberaubender Schönheit, wie es seinesgleichen in den letzten Jahren nur wenige gab.

Heute

Zwei Jahre danach haben die Münchner Valerie Trebeljahr, Markus Acher, Christoph Brandner und Florian Zimmer ihr neues Album "Scary World Theory" veröffentlicht - und wenn es mit seinem Vorgänger in irgendeinem Punkt nicht mithalten kann, dann nur deshalb, weil diesmal das Überraschungsmoment fehlte. Wenige CDs sind so sehnsüchtig erwartet worden wie diese.

"Tridecorder" erschien in einer Zeit, als nicht nur die "Neuen Elektroniker" kraft ihres Erfolgs zu Pop wurden, sondern sich auch Musiker, die sich einer konventionelleren Herangehensweise an Pop befleißigten, zunehmend bei den Sounds der NE bedienten. Stichwort Quarks etwa. Und trotz ihrer Einzigartigkeit war die - auch personelle - Einbettung Lali Punas in ihr Hausmusik-Umfeld (Tied and Tickled Trio, Iso 68 , ...) unüberhörbar.

Die neuen Songs sind tendenziell kompakter, straighter und (soll kein Schimpf sein) konventioneller als ihre älteren Geschwister, doch sprechen wir hier über Unterschiede im Detail - die live ohnedies verschwinden werden. Und zumindest das scheue Duett "Bi-pet" und das selbst-kokettierend betitelte Stück "Nin-com-pop" strahlen ähnlich überirdisch wie "Fast Forward".

Und apropos Quarks (denn deren Fans werden das heutige Konzert mit Sicherheit stürmen) ... die Unterschiede zwischen den beiden Bands lassen sich vielleicht am ehesten so beschreiben: die Quarks sind Dur. Lali Puna Moll. Die Quarks Zucker ... und Lali Puna Honig.

Sanftmut

Wer am Samstag auf dem Air-Konzert war, das sich am ehesten wohl als entspannend zusammenfassen ließe, und anschließend das Glück hatte, den Sonntag daheim in träger Schläfrigkeit verbringen zu dürfen, der kann nun mit Lali Puna das Level sanfter Entrückung halten. Zumal Valeries säuselnde Stimme den Charakter eines Subliminals auf Meditationskassetten hat. - Die Botschaften, die sie dabei übermittelt , sind zwar ungleich weniger positiv, doch tut dies ihrer Schönheit keinen Abbruch.

Drei Tage des Friedens und der Sanftmut. Wie schade, dass man zwischendurch auch mal aufwachen und zur Arbeit muss. Doch wenn man die Augen ganz fest schließt ... vielleicht geht sie dann ja einfach von selbst weg.

When I put my hands over my ears I don't hear you /
when I close my eyes I don't see you /
it's like I've never been here /
and I've never known you ...

(Text: Josefson/Clips: Pia Feichtenschlager - 25.11.2001)

Share if you care.