Ferndiagnose

25. November 2001, 20:28
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Leserin Elisabeth aus Graz fliegt bald nach Gran Canaria. (Wird einem da nicht gleich wärmer?) Ronny kommt freiwillig mit. Als Yorkshire-Terrier-Mischling hat man nämlich keine Flugangst. Tierpass und Tollwutimpfung sind vorhanden. Jetzt fehlt nur noch das amtstierärztliche Zeugnis.

Elisabeth wird von der spanischen Botschaft auf das Veterinäramt verwiesen. Sie ruft an, um sich einen Untersuchungstermin für Ronny geben zu lassen. - Klappt auf Anhieb. "Danke, wir kommen", sagt sie. "Wir" sei gar nicht notwendig, erfährt sie von der Sekretärin. "Den Hund können S' ruhig daheim lassen."

Bei der tierärztlichen Untersuchung fehlt dann nicht nur jener, der untersucht werden sollte (Ronny), sondern, der Vollständigkeit halber, auch sein Untersucher. Sonst sind aber alle da, und das gehört gewürdigt. So kriegt Elisabeth für christliche 135 Schilling Verwaltungsabgabe ein tadellos ausgefülltes Formular in die Hand gedrückt. Herzstück des Textes: "Das oben erwähnte Tier ist am heutigen Tag untersucht worden und weist keinerlei Krankheitssymptome auf." - Österreichs Tiermedizin stünde weltweit noch weiter oben, verfügten alle unsere Ärzte bei Ferndiagnosen über diesen gigantischen Weitblick. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 26.11.2001)

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