Glanz und Realität der italienischen Oper

27. November 2001, 22:01
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Eine Ausstellung im Wiener Theatermuseum

Wien - Das Theatermuseum ist die letzte Station einer Ausstellung, die unter dem Titel "Teatro" mit Fotos, Dokumenten und Bühnenmodellen 37 oberitalienische Theaterbauten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert dokumentiert. Die Holzmodelle, erstellt von Stuttgarter Architekturstudenten, hat die scheidende Direktorin Helga Dostal gleichsam als Abschiedsgeschenk für ihr Haus erworben: Sie bleiben also in Wien.

Insgesamt achtzehn Theater hat man in Stuttgart modelliert, von Palladios Teatro Olimpico in Vicenza (1580) über die Mailänder Scala (1778) bis zum Teatro La Fenice (1792) in Venedig. Ebendort eröffnete 1637 auch das erste italienische Theater, das zahlendem Publikum zugänglich war, San Cassiano. Um 1700 waren es schon 15. In Venedig allein entstanden 300 Opern, in Oberitalien insgesamt 1200.

Der erste venezianische Theaterdirektor, Benedetto Ferrari, selbst Librettist und Musiker, vor allem aber auch Geschäftsmann, operierte mit dem Kapital der Familie Tron. Überall in Italien schlossen sich Opernliebhaber aus der Aristokratie und dem Patriziertum zu Gesellschaften zusammen, die für den Theaterneubau das Grundstück erwarben, einen Architektenwettbewerb ausschrieben und den Bau finanzierten. Für den jeweiligen Stagione-Betrieb (jährlich gab es drei Saisonen - Winter, Frühling und Herbst) war eine Art Manager verantwortlich, der an den Einnahmen beteiligt wurde.

Damals bürgerte sich anstelle "dramma per musica" der Begriff "opera" (das Werk) ein, für die Gesamtheit von Dichtung, Musik, Spiel und Bühnenbild. Später trat der Impresario als Opernunternehmer mit Eigenkapital auf. Die Basisfinanzierung des Betriebs waren die Logenabonnements. Weitere Einnahmen erzielte der Impresario aus dem Verkauf der Libretti und den Konzessionen für Getränke und Glücksspiel.
(krunto/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11. 2001)

"Teatro"
im Theatermuseum
Bis 3. Februar 2002
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