Beziehungsreich: Constanze Ruhm bei Engholm

26. November 2001, 00:26
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Für die Kunst-Pause zwischendurch: Kafe Bar

Das komplette Gegenteil, obwohl Fotoarbeiten, bei Constanze Ruhm: Ihre am Computer überarbeiteten, großflächigen, stimmig in Wand-Architekturzeichnungen eingefügten Fotos strahlen Nüchternheit und Präzision aus, nicht nur wegen ihrer abstrahierten Formen, die u.a. Tendenzen so genannter geometrischer Kunst weiterführen. Auch schlüsselt die sehr oft an filmischen Strukturen, Blick- und Wahrnehmungsanalysen interessierte Künstlerin ihre Ästhetik minutiös auf, etwa mittels eigener poetischer Texte.

Diesmal wandelt sie mit den Augen der Laura Mars durch Räume, die die Protagonistin im gleichnamigen Film durchwandert. Ein philosophisches Spiel, diese Memory of the Players in a Mirror at Midnight. Es wäre nicht Constanze Ruhm, bezöge sich der Titel der Ausstellung nicht wieder auf etwas - auf ein Joyce-Gedicht, in dem "Schauspieler als Schatten- und Erinnerungsbilder, gleich einem sich selbst reflektierenden kinematografischen Spiegelsystem auftreten". Bei so vielen Bezugssystemen muss man aufpassen, dass man Ruhm selbst nicht aus den Augen verliert.
(dok/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11. 2001)
Kerstin Engholm Galerie,
Schleifmühlgasse 3, Tel.:
(01) 585 73 37. Bis 10. 1.

Kunst-Pause

Am Ende noch eine Information am Rande (des Schleifmühlgassenlandes): Das Dürsten hat ein Ende. Im Trabant, wo einst Wiens beste Whiskey-Auswahl auf dankbare Opfer wartete und später der ausschließlichen Ausstellungspolitik geopfert wurde, ist diese Tradition wieder im Gange.

Der Familie Lulic ist es zu danken, dass wieder eine - in kroatischer Schreibweise (aus)gepriesene - Kafe Bar an dieser Stelle entstand. Und Kunst soll es dort auch geben.
(dok/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.11. 2001)
Kafe Bar, 1040, Schleif-
mühlgasse 13, Tel. (01)
920 33 43, www.kafebar.at.
Mo-So
20.00-2.00

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