"Tschuschenschule" mit Gütesiegel

26. November 2001, 12:11
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Mit Toleranz zur ersten "Unesco-Volksschule" Österreichs

Wien - "Bescheidenheit hab' ich mir abgewöhnt." Gerhard Gutschi, Lehrer an der Volksschule Darwingasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk, ist nämlich überzeugt davon, an einer besonderen Schule zu arbeiten: "90 Prozent Ausländerkinder, a richtige Wiener Tschuschenschule also", grinst Gutschi. Von Türkisch bis Spanisch sind so ziemlich alle europäischen Sprachen in der Schule zu hören.

Und die kulturelle Vielfalt wird hier genützt: für Projekte, an der alle 200 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur vierten Schulstufe mitarbeiten - sie schreiben in allen Sprachen Gedichte und Geschichten für ihre eigene Schülerzeitung, haben ein mehrsprachiges Kochbuch gemacht und mit der Künstlerin Lisl Ponger im Wiener Künstlerhaus eine Installation geschaffen. Ein Grundgedanke liegt allem Werken zugrunde: Förderung von Toleranz.

Weil dies an der "Tschuschenschule" besonders engagiert vertreten wird, wird sie heute, Montag, zur ersten "Unesco-Volksschule" Österreichs ernannt. Und deshalb können Gutschi und seine Kollegen jetzt stolz sein.

Die Unesco vergibt seit 1953 eine Art Gütesiegel für Schulen, die sich besonders für Umweltschutz, Weltkulturerbe, Frieden und Demokratie einsetzen. "Je früher damit begonnen wird, desto besser", meint Bettina Rossbacher von der Unesco in Wien. "Obwohl ja kaum wer glauben konnte, dass man damit schon so früh in der Volksschule beginnen kann", hat dagegen Gutschi anfangs Skepsis bemerkt.

43 offizielle Unesco-Schulen gibt es in Österreich, die meisten sind Gymnasien und Hauptschulen. Rossbacher legt darauf Wert, dass die "Schulen langfristig den Unesco-Gedanken in ihren Unterricht integrieren". Dafür werden die Schulen über einen längeren Zeitraum beobachtet, die ganze Schule soll Projekte kreieren und mit anderen Unesco-Schulen kooperieren. Zuletzt präsentieren sich die Schulen selber, eine Kommission entscheidet dann, wer das Gütesiegel verliehen bekommt.

Zehn weitere Schulen streben die Auszeichnung an. Als einer der nächsten Anwärter gilt die Hauptschule Bad Goisern in der Weltkulturerbe-Region Hallstatt. Rossbacher: "Die haben gute Chancen."

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. November 2001)
Von Andrea Waldbrunner
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