Gewaltwelle vor Vermittlung durch die USA

25. November 2001, 20:02
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Mahmud Abu Hanud wurde seit Jahren von der israelischen Armee gejagt

Es dürfte eine Verkettung von Zufällen gewesen sein, die ausgerechnet vor der neuen US-Vermittlungsmission wieder in einen Zyklus der Gewalt hineingeführt hat. Mahmud Abu Hanud, "militärischer Führer" der Hamas im Westjordanland, war seit Jahren gejagt worden und galt als meistgesuchter palästinensischer Terrorist. Als sich Freitagnacht die Gelegenheit bot, zögerten die Israelis trotz der politisch heiklen Lage nicht - bei Nablus wurde ein Auto, in dem Abu Hanoud unterwegs war, mit Raketen beschossen, er starb gemeinsam mit zwei weiteren Hamas-Leuten.

Abu Hanoud, Held und Symbolfigur für viele Palästinenser, soll für den Tod von Dutzenden Israelis verantwortlich sein. Israels Außenminister Shimon Peres sprach von einem legitimen Akt der "Selbstverteidigung", doch die Islamisten kündigten Vergeltung an. Samstagabend starb dann ein israelischer Soldat, als Mörsergranaten eine jüdische Siedlung im Gazastreifen trafen - nach unzähligen derartigen Attacken war es das erste Mal, dass ein Israeli durch das ungenaue Feuer der palästinensischen Kanonen getötet wurde.

Israel reagierte darauf wiederum mit Raketenangriffen auf Einrichtungen der Palästinensischen Behörde. Großen Zorn hatte bei den Palästinensern zuvor der Tod von fünf Schulkindern ausgelöst - die israelische Armee räumte nun "die Möglichkeit" ein, dass ein Sprengsatz explodiert war, den ein Kommando in einer mit Sandsäcken gesicherten Positionen palästinensischer Milizionäre deponiert hatte. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 26.11.2001)

STANDARD- Korrespondent Ben Segenreich aus Tel Aviv
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