Gerichtsurteil: Israel muss vertriebene israelische Araber kompensieren

25. November 2001, 16:28
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Dorfbewohner waren 1948 vertrieben worden

Jerusalem - Israel muss die Nachkommen israelischer Araber kompensieren, die 1948 während des ersten israelisch-arabischen Krieges aus zwei Dörfern im Norden des heutigen Israels vertrieben worden waren. Das höchste Gericht in Jerusalem entschied am Sonntag, in einem möglicherweise folgenschweren Urteil, dass die Nachkommen der Bewohner des Dorfes Ikrit nahe der Grenze zu Libanon entschädigt werden müssen. Sie waren 1948 von den Israelis zum Verlassen ihres Dorfes gezwungen worden.

Entschädigung in Form von Land

Obwohl man den Bewohnern seinerzeit gesagt habe, dass sie innerhalb von zwei Wochen in ihre Häuser zurückkehren könnten, wurden sie bis heute von allen israelischen Regierungen daran gehindert. Die Araber waren seinerzeit in anderen Dörfern unter Zwang angesiedelt worden. Die Anwälte der Kläger erklärten am Sonntag vor Gericht, ihre Mandanten akzeptierten nur eine Entschädigung in Form von Land innerhalb ihres alten Dorfes oder in unmittelbarer Nachbarschaft.

Nach Angaben des israelischen Rundfunks hat das Gericht entschieden, dass die Regierung von Ministerpräsident Ariel Sharon innerhalb von zwei Monaten ein Entschädigungskonzept für die Bewohner des Dorfes oder ihre Nachkommen präsentieren muss. Der Anwalt der Regierung machte jedoch klar, dass der Staat nicht bereit sei, die Araber durch Land zu entschädigen.

Präzedenzfall befürchtet

Die in den beiden Dörfern Ikrit und Biram lebenden Araber haben in den vergangenen 53 Jahren regelmäßig vergeblich versucht, von den jeweiligen Regierungen eine Genehmigung zur Rückkehr in ihre Dörfer zu erhalten. Diese weigerten sich jedoch stets aus Sorge, dass eine positive Entscheidung als Präzedenzfall für die heute rund 3,5 Millionen Nachkommen der während der Kriegswirren vertriebenen oder geflüchteten etwa 900.000 Palästinenser betrachtet werden könnte. Mehrere Regierungen, zuletzt die von Ehud Barak, hatten den Dorfbewohnern versprochen, sich um eine Lösung zu bemühen.

Israel hat sich bisher strikt geweigert, das von den Flüchtlingen geforderte Recht auf Rückkehr in ihre alte Heimat anzuerkennen. Allerdings ließ die Regierung Barak Bereitschaft erkennen, die ehemaligen Bewohner gegebenenfalls zu kompensieren. (APA/dpa)

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