Keine Störungen nach Ende der Schulblockade in Belfast

26. November 2001, 13:29
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Nach vier Monate langen Protesten im Stadtteil Ardoyne - Schwimmer: "Erster Schritt zur Normalität"

Belfast/Straßburg - Erstmals seit vier Monaten konnten am Montagmorgen katholische Schülerinnen im Belfaster Stadtteil Ardoyne wieder unbehelligt zur Schule gehen. Die protestantischen Bewohner von Ardoyne hatten am Freitag ihre Proteste für beendet erklärt. Das Polizeiaufgebot zum Schutz der rund 100 Mädchen im Alter von fünf bis elf Jahren wurde deutlich reduziert. Es gab keine Zwischenfälle.

Hasserfüllte Protestanten hatten den katholischen Mädchen den Weg in ihre Grundschule wochenlang zum Spießrutenlauf gemacht. Mit Blockaden und Angriffen auf die Kinder wollten sie sich gegen die Übergriffe von Katholiken gegen ihre Häuser in dem geteilten Stadtbezirk wehren. Zuletzt bemühten sich der Erste Minister der Provinzregierung (Regierungschef), David Trimble, sowie sein katholischer Stellvertreter Mark Durkan persönlich um ein Ende des Konflikts.

Einrichtung eines Bürgerforums

Zu den Vereinbarungen gehört den Angaben zufolge auch die Einrichtung eines Bürgerforums mit Vertretern beider Seiten zur Schlichtung von Konflikten. Überdies soll das Gebiet von Kameras überwacht werden und ein 24-stündiger Polizeidienst eingerichtet werden.

Der Generalsekretär des Europarates, Walter Schwimmer, bezeichnete die Maßnahmen beider religiöser Gruppen zur Beendigung der Übergriffe auf Schüler als "weiteren Schritt in Richtung Normalität" in Nordirland. "Die Bilder von unschuldigen Kindern, die auf ihrem Schulweg angegriffen werden", hätten die Beziehungen zwischen den beiden Gemeinschaften beschädigt, sagte Schwimmer in einer Aussendung der Straßburger Organisation. Der Europarat werde weiterhin seine guten Dienste zum friedlichen Zusammenleben von Katholiken und Protestanten zur Verfügung stellen. (APA/AP)

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