Ein Kapitel namens Elvis Presley

25. November 2001, 14:18
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Ein Kinderbuch für alle: "Das große Giggler-Geheimnis"

Nein, Elvis kommt in diesem Buch doch nicht vor. Trotzdem versprechen wir hier nicht zuviel, wenn wir sagen: Liebe Kinder, liebe Leute, der Harry-Potter-Wahn ist aus, zumindest für heute. Lest schleunigst, wie Mister Mack, einer der vielen Helden des relativ schmalen Bändchens Das große Giggler-Geheimnis, beinahe zu großem Schaden kommt: Er ist drauf und dran, in einen riesigen Haufen Hundekacke zu treten. Die Hundekacke, oder wie immer man sie nennen mag, wird im vorliegenden Fall übrigens doofdeutsch mit "Köddel" übersetzt. Aber dies und gelegentlich allzu flappsige Redewendungen sind eigentlich der einzige Schwachpunkt der nun endlich vorliegenden deutschen Ausgabe von Roddy Doyles The Giggler Treatment - in dem der irische Meisterromancier (Henry der Held) nur ein Kapitel nach Elvis Presley benannt hat, "der unter dem Geräteschuppen in unserem Garten wohnt".

Häh?! Gut, egal, Mister Mack jedenfalls ist nahe daran, in einen Riesenhaufen hinein zu treten, aber seine Hose ist von der letzten Reinigung noch ganz steif, also braucht es schon seine Zeit, bis Macks Schuh Kackkontakt hat. "Ein sehr kurzes Kapitel, um euch wissen zu lassen, wie viele Zentimeter Mister Macks Schuh bis zum Haufen bleiben" - es gibt auf Seite 70 tatsächlich Auskunft: "Zwei weniger als sieben." Aber: Ein Rettungskommando ist bereits unterwegs. Weil: Eine Bande von Gigglern (lest selbst nach, wer die sind) hat Mister Mack den Haufen in den Weg gelegt (lest selbst nach warum) und dabei hatten sie sich geirrt (lest selbst nach, wie). Also: Auf der einen Seite hohe Beschleunigung der Mack-Retter (inklusive Abstecher zum Nil), andererseits Zentimeter für Zentimeter Annäherung an die Hundekacke und nicht nur das alles auf rund hundert Seiten.

Und das soll uns von Harry Potter ablenken? Genau. Hier erzählen zum Beispiel sogar Knäckebrote Geschichten: "Babys sind kleiner als Erwachsene" - und eine Möwe schimpft dazu über Fisch, und insgesamt ist dieses Buch wohl so etwas wie ein Pendant zu einem wahnwitzigen Musical, in dem jeder Unsinn besungen wird - nur das nicht, was gerade auf der Bühne passiert. Dadurch wird die Bühne aber gleichsam größer. Noch ein Argument für Potter-Leser: Joanne K. Rowling nannte Roddy Doyle einmal ein Genie. Mit Rufzeichen dahinter. Und wenn jetzt immer noch jemand wissen will, was Giggler sind, ohne dieses kleine Glanzstück selbst zu lesen, dann sei er darauf verwiesen, dass Kaiser Nero einmal in einen Haufen Löwenkacke trat, weil . . . Haha!

(Von Claus Philipp - DER STANDARD, Album, Sa./So., 24./25.11.2001)

Von Claus Philipp

Roddy Doyle, Das große Giggler-Geheimnis. Mit Illustrationen von Brian Ajhar. Aus dem Englischen von Andreas Steinhöfel. öS 161,-/EURO 11,70/112 Seiten. Omnibus Verlag, München 2001.

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