Berliner Schriftstellerin Judith Hermann mit Kleist-Preis ausgezeichnet

25. November 2001, 13:23
posten

Autorin: "Die mit dem Preis verbundene Aufforderung zum Durchhalten und Weitermachen verunsichert mich"

Berlin - Die junge Berliner Schriftstellerin Judith Hermann ist am Samstag mit dem diesjährigen Kleist-Preis ausgezeichnet worden. Der frühere deutsche Kulturstaatsminister Michael Naumann, Vertrauensperson der Jury, bezeichnete die Autorin im Deutschen Theater in Berlin als einen Glücksfall für die Literatur. Hermann sei eine Dichterin und beherrsche die "schwierige Kunst der Poesie des Banalen und der Vergeblichkeit". Sie sende "Nachrichten aus der Welt des Nichtgelingens", ihre Figuren seien Repräsentanten "des besonderen Moments von unerwiderter Zärtlichkeit".

Hart ins Gericht ging der Mitherausgeber und Chefredakteur der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" mit dem geplanten neuen Urhebervertragsrecht. "Es wird dazu führen, dass junge Autoren wie Judith Hermann noch schwieriger als bisher einen Verlag finden. Wer mit einem trivialen Bestseller Erfolg hat, wird noch mehr Geld verdienen, was den Verlagen dann fehlen wird, um junge Autoren zu fördern."

Die am 15. Mai 1970 in Berlin geborene Hermann verwies in ihrer Dankesrede auf die "vielen Irritationen", die die Verleihung des renommierten und traditionsreichen Kleist-Preises an eine Autorin, die bisher nur ein Buch veröffentlicht hat, verursacht habe. "Die mit dem Preis verbundene Aufforderung zum Durchhalten und Weitermachen verunsichert mich. Ich habe ein kleines Strandbuch geschrieben, das Herr Naumann vielleicht in die Ferien mitgenommen hat." Für ihren Erzählband "Sommerhaus später" (1998) hat sie unter anderem bereits den Hugo-Ball-Förderpreis und den Bremer Literaturpreis/Förderpreis erhalten.

Der nach dem 1811 durch Selbstmord am Wannsee aus dem Leben geschiedenen Heinrich von Kleist benannte Preis gehört zu den bedeutendsten deutschen Literaturauszeichnungen und ist mit 40.000 Mark (20.452 Euro/281.421 S) dotiert. Er wurde 1912 von Richard Dehmel zur "Förderung poetischer Talente" initiiert. Im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts erhielten ihn unter anderem die jungen Talente Bertolt Brecht, Robert Musil und Anna Seghers. Nach der späten Wiederbegründung des Preises 1985 hießen die Preisträger unter anderem Alexander Kluge, Thomas Brasch, Heiner Müller, Ernst Jandl, Monika Maron und zuletzt Barbara Honigmann. (APA/dpa)

Share if you care.