Crossair-Crash: Beschädigte Flugschreiber auswertbar

27. November 2001, 17:45
31 Postings

Fluglinie macht fehlende Landehilfe- Automatik für Absturz verantwortlich

Genf - Die beiden nach dem Crossair-Absturz bei Zürich gefundenen Flugschreiber sind zwar beschädigt, können aber trotzdem ausgewertet werden. Das sagte der Chef des Büros für Flugunfalluntersuchungen, Jean Overney, am Dienstag in Bern. Obwohl die Spezialisten in Paris die Bänder möglicherweise schon bis zum Dienstagabend prüfen könnten, werde die genaue Analyse der erfassten Daten dann noch einige Zeit dauern. Der Termin für die Bekanntgabe der Ergebnisse sei deshalb weiter offen.

Die aus Berlin kommende Maschine vom Typ Jumbolino war am Samstagabend beim Landeanflug auf den Flughafen Zürich-Kloten abgestürzt. 24 Passagiere kamen bei dem Unglück ums Leben.

Kein automatisches Landehilfesystem

Die Fluggesellschaft Crossair hat inzwischen Berichte zurückgewiesen, wonach der Unglücksmaschine angeblich das Flugbenzin ausgegangen sein soll. Vielmehr könnten das Fehlen eines automatischen Landehilfesystems am Boden und schlechte Wetterbedingungen den Absturz verursacht haben. Die Piste 28 des Flughafens, auf der die Maschine landen sollte, verfügt nach Angaben des Präsidenten der Airline, Andre Dose, nicht über ein automatisches Landehilfesystem (ILS).

Das Anfliegen dieser Landebahn "auf Sicht" stelle hohe Ansprüche an den Piloten, sagte Dose. "Angesichts des schlechten Wetters wäre es vielleicht ratsam gewesen, die Maschine auf der Bahn 13 oder 14 landen zu lassen." Die Auswahl der Landebahn falle in den Zuständigkeitsbereich des Kontrollturms.

Bergung geht weiter

Die Landebahn mit der Nummer 28 wurde seit mehreren Wochen gewohnheitsmäßig für Nacht-Landungen genutzt. Damit entspricht der Flughafen Zürich einem deutsch-schweizerischen Abkommen zur Verringerung der Lärmbelästigung für die Anwohner der Einflugschneise auf deutscher Seite.

An der Unglücksstelle ging nach Polizeiangaben am Dienstag die Bergung der Trümmer- und Wrackteile weiter. Ungeachtet des morastigen Bodens und der ständigen Regenschauer sollen die Arbeiten bis Mittwochabend abgeschlossen sein.

Identifizierung schwierig

Bis Anfang nächster Woche sollen auch alle Opfer des Crossair-Absturzes identifiziert sein, möglicherweise gehe es sogar rascher, wie Rudolf Hauri, Abteilungsleiter Forensische Medizin am Zürcher Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Dienstag sagte. Zur Zeit seien die IRM-Fachleute daran, Vergleichsunterlagen (wie etwa eine Zahnbürste mit Speichelrückständen) oder zahnärztliche Dokumente zusammenzutragen und mit den Opfern zu vergleichen, erklärte Hauri. Je nachdem, wie rasch die nötigen Unterlagen zur Verfügung stehen, können die Identifizierungen mehr oder weniger zügig abgeschlossen werden.

Am Dienstagvormittag lagen die Dokumente von rund einem Drittel der Verstorbenen vor. Eine Identifizierung auf Grund des äußeren Erscheinungsbildes ist laut Hauri bei keinem der Absturzopfer zuverlässig möglich. Aufgrund der Verbrennungen lasse sich bei einzelnen Leichen nicht einmal die Hautfarbe erkennen. (APA/dpa/sda)

"Jumbolino": Kurzstrecken - Flugzeug für kurze Piste
Platz für 97 Passagiere - In Großbritannien gebaut
Share if you care.