Kritik an Asylpolitik in Österreich üben Flüchtlings- Organisationen

24. November 2001, 16:45
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UNHCR fordert dringend "Behebung der unhaltbaren Zustände"

Bregenz - Heftige Kritik an der Bundesbetreuung von Flüchtlingen und Asylwerbern übten die österreichischen Flüchtlingsorganisationen am Samstag bei einem vom UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) veranstalteten Treffen in Bregenz. "Es besteht dringender Handlungsbedarf, damit sich die Obdachlosigkeit der Flüchtlinge und Asylwerber in Österreich nicht ausweitet," sagte der Vertreter des UNHCR in Österreich, Beat Schuler.

Die Versorgung von Flüchtlingen sei völlig unzureichend, klagten die Vertreter von 25 Flüchtlingsorganisationen mit insgesamt 35 Standorten in Österreich. Derzeit seien zwei Drittel der Flüchtlinge in Österreich unversorgt, die Flüchtlingsheime der Organisationen seien überfüllt. Die Situation sei nicht mehr zu bewältigen, es drohe der Kollaps. "Es kann nicht sein, dass erst jemand erfrieren muss, bevor Unterbringungsplätze in ausreichender Anzahl zur Verfügung gestellt werden," kritisierte Anny Knapp, Sprecherin der österreichischen Flüchtlingsorganisationen und Obfrau der Asylkoordination Österreich. Allein in Traiskirchen würden wöchentlich über 50 Asylwerber ohne jede Versorgung auf der Straße stehen.

Beat Schuler vom UNHCR forderte sofortige Übergangsmaßnahmen bis zur Neustrukturierung der Bundesbetreuung. Die Pläne der Bundesregierung, die Bundesbetreuung für Flüchtlinge und Asylwerber zu privatisieren, werden von den Flüchtlingsorganisationen skeptisch beurteilt. Die NGOs sollten bei den Überlegungen zur Neuorganisation der Bundesbetreuung miteinbezogen werden, meinte Schuler. "Bei der Vergabe der Bundesbetreuung sollen kompetente Flüchtlingsorganisationen berücksichtigt werden, kommerzielle Überlegungen dürfen nicht im Vordergrund stehen, sondern fachliche Aspekte," sagte Schuler. Der UNHCR-Beauftrage warnte davor, die Zuständigkeiten für Unterkunft und Betreuung von Flüchtlingen und Asylwerbern zu trennen. (APA)

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