Baskenland: Protestkundgebungen gegen die ETA

24. November 2001, 15:16
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Schweigekundgebungen vor Rathäusern nach jüngstem Anschlag

San Sebastian - Einen Tag nach dem Mordanschlag auf zwei Polizisten haben Hunderte Menschen im spanischen Baskenland gegen den Terror der Untergrundorganisation ETA protestiert. Die Demonstranten kamen am Samstag zu Schweigekundgebungen vor den Rathäusern und dem Regionalparlament in Vitoria zusammen. "Wir werden nicht ruhen, bis wir die Urheber dieses feigen Attentats festgenommen haben", sagte der baskische Regierungschef Juan Jose Ibarretxe in der Ortschaft Beasain bei San Sebastian.

Dort waren die beiden Beamten der baskischen Polizei - eine Frau und ein Mann - am Vorabend hinterrücks und aus nächster Nähe von zwei mutmaßlichen ETA-Terroristen erschossen worden, als sie an einer Kreuzung den Verkehr regelten. Die vermummten Täter, ebenfalls eine Frau und ein Mann, waren nach dem Anschlag zunächst zu Fuß geflüchtet und dann mit einem dritten Komplizen in einem Auto entkommen, teilte das baskische Innenministerium mit. Die Fahndung blieb bisher ohne Erfolg.

Die 34-jährige Polizistin Ana Isabel Arostegi, Frau eines weiteren Beamten und Mutter dreier Kinder, starb durch einen Kopfschuss noch am Tatort. Sie ist das erste weibliche Opfer unter den 13 Beamten der 1982 gegründeten baskischen Polizei ("Ertzaintza"), die bisher von der ETA ermordet worden sind, vier von ihnen allein in diesem Jahr. Ihr zwei Jahre jüngerer Kollege Francisco Javier Mijangos wurde in Hals und Rücken getroffen und erlag zwei Stunden später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Einen Tag vor dem Anschlag hatte die Polizeigewerkschaft gefordert, die Beamten besser auszurüsten und sie auch bei Routineeinsätzen mit schusssicheren Westen auszustatten. Die Beamten der baskischen Polizei, die vor Monaten das gefährliche ETA-Terrorkommando "Donosti" zerschlagen hatte, sind verstärkt in das Visier der ETA geraten. Für die Separatistenorganisation sind sie "Handlanger des spanischen Staates".

Der Anschlag vom Freitag war bereits der vierte in knapp drei Wochen. Am 6. November hatte die ETA in Madrid eine Autobombe gezündet. Dabei wurden fast 100 Menschen verletzt. Am Tag darauf erschossen Terroristen im Baskenland einen Richter. Zu diesen Attentaten hat sich die Organisation bereits bekannt. Erst am Dienstag waren zudem bei der Explosion einer Bombe in Bilbao zwei weitere Beamte der baskischen Polizei verletzt worden. Bei Anschlägen der ETA sind seit 1968 in Spanien mehr als 800 Menschen getötet worden, 15 davon in diesem Jahr. (APA/dpa)

  • Artikelbild
    foto: epa/javier echezarreta
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