"profil": 250 Ärzte in fragwürdige Geschäfte verwickelt

24. November 2001, 13:37
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System von Pyramidenspielen

Wien - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" berichtet, sind hunderte österreichische Ärzte in fragwürdige Geschäfte verwickelt. Mindestens 250 Ärzte "empfehlen" laut dem Nachrichtenmagazin unter Ausnutzung ihres Vertrauensverhältnisses zu ihren Patienten den Kauf von Magnetfeldtherapiegeräten zu rund 30.000 Schilling - und kassieren dann vom Hersteller dafür bis zu 38 Prozent an Provision.

Manche Ärzte halten sich sogar schon Dutzende Vertreter und setzen so monatlich hunderte Geräte ab. Organisiert ist das System - so "profil" - ähnlich wie bei Pyramidenspielen, wo jeder Käufer auch selbst zum Verkäufer werden soll.

Die Sektion Gesundheit im Sozialministerium hat bereits Untersuchungen eingeleitet und bereitet eine Fülle von Anzeigen nach dem Disziplinar-, Steuer- und Gewerberecht vor. Der Sachverhalt wurde auch dem Justizministerum zwecks strafrechtlicher Überprüfung zur Kenntnis gebracht.

Sozialminister Herbert Haupt (F) kündigt in einem Gespräch mit der Wochenzeitschrift an, gemeinsam mit Justizminister Dieter Böhmdorfer (F) Gesetzesänderungen vor zu nehmen, wenn dies nötig sei, um den "Wildwuchs ab zu stellen und den Konsumentenschutz durchzusetzen".

"Szene umfassend durchforsten"

"Es wird daran gearbeitet, mit diesem Sumpf auszuräumen. In Zusammenarbeit zwischen unserem Ministerium mit Justizminister (Dieter, Anm.) Böhmdorfer wird auch geprüft, ob man nicht auch Gesetzte so adaptieren muss", erklärte ein Sprecher von Haupt am Samstag gegenüber der APA. "Wir wollen die Szene umfassend durchforsten und die illegalen Firmen wegbringen", fügte er hinzu.

In den vergangenen Monaten habe sich ein enormer Markt für die Geräte entwickelt, der zum Teil nicht mehr seriös sei. Der Sprecher des Ministers: "Mittlerweile wird da gar die vollkommene Heilung bei Krebs, Unfällen oder zum Beispiel nach Schlaganfällen versprochen." Patienten kämen auch in Gefahr, auf eine wirksame medizinische Therapie zu verzichten und dadurch Schaden zu nehmen. Auch die Finanzbehörden würden informiert. (APA)

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