Rabbani beansprucht Führung in Afghanistan

25. November 2001, 14:06
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Früherer Präsident betont Übereinstimmung mit Plänen der UNO - Bonn soll Weg zur "Großen Versammlung" ebnen

Kabul - Die afghanische Nordallianz beansprucht bis auf weiteres exekutive Vollmachten in Afghanistan. Ihr Führer, der 1996 von den Taliban vertriebene Präsident Burhanuddin Rabbani, sagte am Sonntag auf einer Pressekonferenz in Kabul, er wolle das Land bis zur Bildung einer Übergangsregierung durch die "Große Versammlung" (Loya Jirga) führen. Den Weg zur Einberufung dieser Konferenz hunderter Delegierter aus allen Bevölkerungsgruppen solle die am Dienstag in Bonn beginnende Afghanistan-Konferenz ebnen.

In Bonn sollen sich die Verhandlungsteilnehmer aus vier verschiedenen Gruppen auf einen Rat mit 15 Vertretern einigen, sagte Rabbani. Dieser Rat werde die Loya Jirga einberufen. Sobald diese eine Übergangsregierung nominiere, werde er die Macht übergeben.

Übergangsregierung für zwei Jahre

Die Übergangsregierung solle Afghanistan dann durch eine etwa zweijährige Phase führen, in der eine neue Verfassung geschrieben werden solle. Die Taliban als Bewegung würden keinen Platz in einer zukünftigen Regierung haben, sagte Rabbani weiter. Ehemalige Taliban-Mitglieder könnten gleichwohl politisch tätig bleiben, "sofern sie sich keiner Verbrechen schuldig gemacht haben". Grundsätzlich gelte: "Diejenigen, die von der Loya Jirga zugelassen wurden, sind akzeptierbar", sagte er.

Der Tadschike Rabbani ließ deutlich erkennen, dass er sich als einen der aussichtsreichsten Bewerber für die Führung der Übergangsregierung hält. Zugleich betonte er, dass er wie die Vereinten Nationen für die Bildung einer Mehrparteienkoalition sei, um Machtkämpfe wie in seiner Regierungszeit von 1992 bis zu seiner Vertreibung durch die Taliban vor fünf Jahren zu vermeiden.

Die Nordallianz-Delegation wollte am Sonntag nach Bonn aufbrechen. Sie wird geleitet von Yunus Kanuni, dem De-Facto-Innenminister und Sicherheitschef in Kabul. Seiner Delegation gehört auch eine Frau an. (APA/AP)

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