"Wer hat unser Geld verbrannt?"

26. November 2001, 12:48
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Über Sorgen von Anlegern Ende 2001 und Tipps zur Strategie für 2002

Das Thema Geldanlage war für viele Privatanleger in den letzten zwei Jahren eine höchst emotionale Erfahrung. Doch auch die Bank- und Vermögensberater hatten ihre Sorgen. Nicht zuletzt kamen einige Fondsgesellschaften und Privatbanken in arge Turbulenzen. Die Gründe dafür sind einleuchtend. Der Boom war zu heftig - der Absturz aber auch. Wenn Erfahrung klüger macht, dann sieht es sehr gut aus für die Zukunft.

Depotauszüge, die keiner wahrhaben will

Die aktuelle Situation ist für viele Anleger schwierig zu fassen. Zumindest für jene, die sich nach einer Phase der strikten Ablehnung und Verdrängung wieder mit dem Thema Geldanlage befassen. Einerseits die kräftigen Kursgewinne an den Aktienbörsen nach den schrecklichen Terroranschlägen in den USA. Trotz Konjunkturschwäche stiegen die Aktienmärkte und antizipierten 6-12 Monate im voraus die mögliche wirtschaftliche Erholung - für erfahrene Anleger ein durchaus bekanntes Muster. Andererseits der Blick auf die Depotauszüge der letzten beiden Jahre - verbunden mit dem Wunsch es sei doch nur ein böser Traum gewesen. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn nicht schon wieder die ersten selbsternannten Börsen-Gurus mit Ihren traumhaften Gewinnen in den letzten Wochen prahlen würden.

Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben

Geldanlage ist Privatsache und jeder Anleger befindet sich in seiner ganz persönlichen Situation. Die Bandbreite reicht von jenen, die nach einer gewagten Spekulation auf Kredit ihre Kursverluste realisieren mußten und die restlichen Kreditschulden tilgen bis hin zu jenen, die es noch nie gewagt haben, ihr Geld an der Börse anzulegen. Bei dieser Gruppe wird noch lange die Freude über den vermiedenen Kapitalverlust wirken - ohne Rücksicht auf die reale Nullverzinsung auf Ihren Sparbüchern. Längerfristig führt diese Furcht vor der Börse auch nicht weiter.

Langfristig veranlagen einmal ernst genommen

Abgesehen von den kurzfristigen Spekulanten hat der Großteil der Anleger Interesse an einer längerfristigen Veranlagung. Die Pensionsvorsorge, das Ansparen für die Ausbildung der Kinder oder der Kauf einer Immobilie zählt zu den wichtigsten langfristigen Zielen. Diese Anleger sollten auf keinen Fall durch die massiven Kursbewegungen an den Börsen beeinflußt werden und konsequent regelmäßig weiter investieren. Damit profitieren Sie auch in schlechten Zeiten und veranlagen zu günstigeren Kursen. Analysen zeigen auch, daß die Mittelabflüsse aus Investmentfonds in den letzten zwei Jahren sehr gering waren. Das läßt darauf schließen, daß dieser Grundsatz ernst genommen wurde. Eines steht fest: für die langfristige private Veranlagung ist der Sinn und Zweck der Veranlagung entscheidender als die Kursbewegungen an den Märkten.

Die Zukunft ist nicht prognostiziert werden. Der Risikocharakter eines Portfolios oder Fonds kann sehr wohl bestimmt werden. Über Ertrag sollte man träumen - über Risiko sollte man gut nachdenken. Geldanlage muß nicht Lotto sein.

Gute Berater und schlechte Verkäufer

Woran erkennt man einen guten Berater? Vor allem daran, daß er sich für den finanziellen Status des Anlegers und dessen Veranlagungsziele interessiert und die Strategie darauf ausrichtet. Der schlechte Verkäufer hingegen denkt in Kategorien wie Ausgabeaufschlägen, Bestands- und Behalteprovisionen mit dem Ergebnis, daß Kunden mit Fonds beglückt werden, die ganz und gar nicht den Risikovorstellungen des Anlegers entsprechen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Biotechnologie zählt zweifelsohne zu den Zukunftsbranchen, ist jedoch auch mit sehr hohem Risiko behaftet. Bekannt ist auch, daß vor allem Halbwissen gefährlich ist. Deswegen ist es umso fragwürdiger, warum in den letzten zwei Jahren nahezu jeder Bank- und Vermögensberater gegenüber den Anlegern zum Biotech-Experten mutieren mußte - auch wenn sein Interesse an der Biologie, Medizin und Chemie nie wirklich groß war. Ein Grund dafür sind die Umsatzziele für den Fondsverkauf. Vor allem im Frühjahr und Herbst locken die Anlagetage und Anlagewochen. Und wenn Biotechnologie nicht läuft gibt es sicherlich eine andere Branche, die sich im Hochglanz präsentieren läßt.

Dachfonds verschleiern das wahre Bild

Der Dachfonds ist eine standardisierte Vermögensverwaltung in einem Fonds. Der Verkaufsboom bei Banken und Vermögensberatern hält immer noch an - zu überzeugend sind die Verkaufsargumente. Zu kurz sind leider auch noch die Kursverläufe um repräsentative Vergleiche anzustellen. Vermögensanlage ist für viele auch eine interessante Beschäftigung mit den Mechanismen der Wirtschaft. Volkswirtschaftliche Entwicklungen und der Erfolg von Unternehmen wirkt sich direkt auf das eigene Vermögen aus. Das kann auch spannend sein . Bei Einzelaktien ist das sehr gut nachvollziehbar. Im Falle von Fonds ist das schon sehr schwierig, da meist nur die größten 10 Aktien oder Anleihenpositionen veröffentlicht werden, obwohl der Fondsmanager in 50 bis 100, oder noch mehr Wertpapiere investiert hat. Bei Dachfonds ist es für den einzelnen Anleger gar nicht mehr möglich, ein Gefühl für die Charakteristik seiner Veranlagungen zu bekommen. Zu stark wird das wahre Investment verschleiert. Ein Umstand, der die kritische Beschäftigung mit der eigenen Geldanlage nicht erleichtert - und genau das haben sich viele Anleger für 2002 vorgenommen.

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