Die Konstruktion des Nächstbesten

23. November 2001, 20:52
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Jennifer Lacey im Tanzquartier

Wien - Nicht jeder Raum entspricht den Bedürfnissen einer Performance: Die gemeinhin frontal genützte Halle G des Tanzquartiers ist für rund 300 Zuschauer konzipiert und entspricht damit einem international erprobten Füllmaß. Reduziert auf Halbtribüne, sitzt man in einem konventionellen Kleintheater.

Es gibt auch andere Varianten: Unterschiedlich arbeitende Vertreter der Wiener Performance-Szene wie die Formationen Lux Flux (Inge Kaindlstorfer und Annette Pfefferkorn), Two in One (Michaela Pein und Akos Hargitay), Bilderwerfer (Daniel Aschwanden) oder Superamas (Philippe Riéra) schufen unlängst mit Calling ein verschachteltes Forum, brachen das starre Raumgefüge auf und luden zu begehbaren Installationen ein.

Eine weitere Variante bot die aktuelle Performance $Shot (heute, Samstag, 20.30 Uhr) der in Paris lebenden New Yorker Tänzerin Jennifer Lacey, die auf derselben Ebene, in Dreierreihe platziert, zu verfolgen ist und besser in das Studio im Tanzquartier gepasst hätte. Laut Programmtext von $Shot rücken Pornographie und zeitgenössischer Tanz den Körper in neue Kontexte: ein Thema, das Jennifer Lacey und Partnerin Erin Conell aus ihrer Sicht darlegen. Die "Konstruktion des erotischen Körpers" ist da zu erleben: klar, distanziert und unterkühlt. Da bewegen sich keine Nackedeis, sondern zwei Frauen mit erotischer Wirkung. Und sie haben das Allround-Schuhwerk der 70er- und 80er-Jahre revitalisiert, die als Clogs berühmten Holzpantoffel.

Im von Nadia Lauro gestalteten "Plattenbau-Zimmer", ausgestattet mit allerlei Kuschelobjekten, entfalten sie ihre Bewegungschoreographie. Vorerst sehen wir zwei Personen in rückwärts gehaltener Grätsche. Langsam, sehr langsam reckt sich das Paar, greift Andrea Parkins musikalisch am Elektronikpult ein und folgt dem Geschehen der Akteurinnen. Diese sind im "Zimmer" unterwegs, posieren und erproben "alltägliche" Haltungen.

Sie erkunden die materielle Struktur der weichen Requisiten und nehmen das körperliche Gegenüber in Gewahrsam. Ausführlichere Informationen sind heute, Samstag, nach der Vorstellung beim Künstlerinnenpanel mit Silvia Eiblmayr und Valie Export zu erfahren.

(DER STANDARD, Sa./So., 24./25.11.2001)

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