"Große Sorge" um Blätter

25. November 2001, 12:23
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APA-Geschäftsführer Wolfgang Vyslozil schließt im STANDARD-Gespräch Personalabbau nicht aus

STANDARD: Wegen des 11. September haben Sie Ihr Jubiläumsfest - auf kommende Woche - verschoben. Die Anschläge haben die Konjunkturkrise für Medien verschärft. Das dürfte Sie nicht kalt lassen, ganz abgesehen vom Feiern.

Wolfgang Vyslozil: Unsere Eigentümermedien haben schlagartig was immer möglich aufs Minimum zurückgefahren oder gekündigt. Berücksichtigt man die Probleme mit Werbeaufkommen, Presseförderung, Portoerhöhung, Papierpreise haben wir für nächstes Jahr große Sorgen.

STANDARD: Sie versuchen seit langem, weniger stark vom Geschäft mit den Genossenschaftern abhängig zu sein. Die übrige Wirtschaft floriert aber auch nicht gerade.

Vyslozil: 30 Prozent unseres Umsatzes kommen von den Medien. Die Wirtschaft agiert auch wesentlich kostenbewusster. Jedes Unternehmen ist äußerst vorsichtig. Natürlich gibt es Kündigungen. Der Ausfall von Forderungen durch Konkurse und Ausgleiche ist viel höher als sonst. Und in unserem dritten Markt, der Politik, spüren wir das Sparprogramm.

Unser Umsatz - zuletzt 440 Millionen Schilling - wächst nur um fünf Prozent, substanziell weniger als budgetiert. Der Ertrag fällt ebenfalls weit schlechter als geplant aus, auch wenn wir ordentlichen Gewinn darstellen. Auch 2002 bleiben wir substanziell unter der ursprünglichen Planung.

STANDARD: Klingt dennoch deutlich besser als bei vielen Ihrer Eigentümermedien, wo Kündigungen laufen.

Vyslozil: Unser Ziel ist, ohne Kündigungen auszukommen. Verschärfen sich im nächsten Jahr die Rahmenbedingungen dramatisch, würden auch wir beim Personalstand Maßnahmen ergreifen müssen.

STANDARD: Etwas Unabhängigkeit von der Entwicklung der Medien tut offenbar vorerst nicht so schlecht.

Vyslozil: Global haben alle Medien derzeit die gleichen Probleme, das gilt auch für die Nachrichtenagenturen. Es ist eine Art Kulturschock, wenn Reuters sieben Prozent seines Personals abbaut. Bei der dpa in Deutschland ist die Situation aber stabiler als bei uns, obwohl sie 80 Prozent ihrer Erlöse mit Medien macht. Die Genossenschafter der AP in den USA wiederum haben in Europa heute Undenkbares gemacht: Sie haben ihr eine Tariferhöhung genehmigt. Ihr Argument: Wegen der Einsparungen brauchen sie die Agentur umso mehr.

STANDARD: Mit Tariferhöhungen haben Ihre Genossenschafter zu rechnen?

Vyslozil: Nein, wir kennen die wirtschaftliche Lage der Genossenschafter.

STANDARD: Heuer ist ein Genossenschafter - die "Neue Zeit" abhanden gekommen. Überlegungen zur Presseförderung und höhere Posttarife könnten andere folgen lassen. Wie groß ist da die Gefahr für die APA?

Vyslozil: Ich sehe das Gefahrenpotenzial mit großer Sorge. Klein ist in dem Fall relativ. Unsere kleinen Genossenschafter zahlen reine Deckungsbeiträge für den Basisdienst der Nachrichtenagentur. Dessen Kosten bleiben aber gleich, ob wir 15 oder 20 Genossenschafter haben. Der Tod der "Neuen Zeit" - für uns knapp vier Millionen Schilling - hat wirklich weh getan. Bei weiteren ist man rasch in Größenordnungen von zehn Millionen. Das stecken wir nicht mit links weg.

STANDARD: Mitte der Neunziger hatte die APA große Ambitionen aufs Internetgeschäft. Die Genossenschafter haben das recht rasch gestoppt, um das Feld selbst zu beackern. Nach dem Crash der New Economy müssten Sie dankbar sein.

Vyslozil: Damals hat uns die Entscheidung der Eigentümer wirklich sehr weh getan. Inzwischen konzentrieren wir uns aus Überzeugung auf den Businessmarkt statt die Endkonsumenten. Und sind längst heilfroh darüber.

STANDARD Ihr Name tauchte des Öfteren als möglicher neuer ORF-Generaldirektor auf. Hat Sie jemand gefragt?

Vyslozil: Ich wurde gefragt. Aber ich weiß, warum ich in der APA bin und warum ich hier bleiben möchte.

STANDARD: Das größte Medienunternehmen des Landes hat so gar keinen Reiz?

Vyslozil: Reiz würde ich nicht abstreiten, das wäre eine riesige, spannende Herausforderung. Für mich sind die Rahmenbedingungen aber nicht so, dass ich mir das antäte. Ich habe in den Jahren hier erlebt, was es bedeutet, in einem unabhängigen Unternehmen mit großem Freiraum agieren zu können. Insbesondere mit großem politischem Freiraum. Ich habe keine besonders ausgeprägte Erfahrung, wie man mit diesen politischen Einflussfaktoren umgeht. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24./25. November 2001)

Verschärft sich die Konjunkturflaute 2002, schließt auch die APA Personalabbau nicht aus. Ihr Geschäftsführer Wolfgang Vyslozil sorgt sich um die Zukunft der kleineren Zeitungen unter den APA-Eigentümern. Für einen Wechsel an die ORF-Spitze fühlt er sich zu wenig erfahren mit Politeinfluss, erklärte er Harald Fidler.
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