Altadis-Konzern prüft Reemtsma-Übernahme

25. November 2001, 20:00
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Fusion würde weltweit viertgrößte Tabak-Gruppe ergeben

Madrid/Hamburg - Der französisch-spanische Tabak-Konzern Altadis ist an einer Übernahme des Hamburger Zigarettenherstellers Reemtsma interessiert. "Wir werden diese Möglichkeit eingehend prüfen", erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Bedingung sei aber, dass ein Wertzuwachs für die Aktionäre erzielt werden könne.

Nach Informationen der spanischen Wirtschaftspresse führen beide Firmen bereits Gespräche. Altadis bereite ein Angebot vor, hieß es. Der Preis für eine hundertprozentige Übernahme wurde auf fünf bis sechs Mrd. Euro (82,6 Mrd. S) geschätzt.

Neuorientierung

Reemtsma und die Mutterfirma Tchibo, die mit 75,1 Prozent Mehrheitseigentümer ist, nahmen zu den Marktgerüchten nicht Stellung. Der Tchibo-Konzern muss sich neu orientieren, nachdem der langjährige Unternehmenslenker Günther Herz Anfang des Jahres auf Druck seiner Geschwister den Vorstandsvorsitz abgeben musste. Seit Monaten werden deshalb in den Medien verschiedene Varianten für die Tchibo-Zukunft durchgespielt.

Diese reichen von einer Realteilung des Vermögens innerhalb der zerstrittenen Familie über eine Veräußerung des Tchibo-Pakets an der Beiersdorf AG bis zu dem Verkauf von Reemtsma an einen Investor oder über die Börse. Der Konzern hat sich dazu bisher bedeckt gehalten und will erst offizielle Informationen geben, wenn tatsächlich Entscheidungen gefallen sind.

Viertgrößte Tabakgruppe der Welt

Im Falle eines Zusammenschlusses mit Altadis entstünde die viertgrößte Tabak-Gruppe weltweit, hinter Philip Morris, BAT und der Japan Tobacco International. Sie hätte einen jährlichen Brutto-Umsatz von rund neun Mrd. Euro. Der japanische Hersteller, aber auch die britischen Konzerne Gallaher und Imperial, seien ebenfalls an einer Übernahme von Reemtsma interessiert, hieß es weiter.

Altadis war im Oktober 1999 aus der Fusion der führenden Zigarettenhersteller Frankreichs und Spaniens, Seita ("Gitanes", "Gauloises") und Tabacalera ("Fortuna", "Ducados") hervorgegangen. Das Unternehmen mit Sitz in Madrid erzielte im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 147 Mio. Euro. Es beschäftigt weltweit etwa 20.000 Mitarbeiter und ist in 35 Ländern präsent.

Reemtsma ("Peter Stuyvesant", "West") erreichte im vergangenen Jahr einen Umsatz nach Verbrauchssteuern von fünf Mrd. DM (2,56 Mrd. Euro/35,2 Mrd. S) und einen Gewinn von 470 Mio. DM. (dpa, DER STANDARD, Printausgabe 24.11.2001)

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