"Konjunkturflaute trifft Tourismus erst 2002"

23. November 2001, 18:40
posten

Wifo-Smeral erwartet gedämpftes Wachstum

Wien - Auf Österreichs Tourismuswirtschaft wird die Konjunkturflaute erst im kommenden und im übernächsten Jahr durchschlagen.

"Die meisten Urlaubsentscheidungen für heuer sind vor dem Hintergrund der Einkommenssituation im guten Wirtschaftsjahr 2000 gefallen, als es noch Zuwachsraten von drei Prozent gab", sagte der Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, in einer Pressekonferenz am Freitag. "Jetzt ist die Situation eine ganz andere."

Nach einem voraussichtlichen Umsatzplus von fünf Prozent im laufenden Tourismusjahr sei in den Jahren 2002 und 2003 mit einem schwächeren Wachstum zu rechnen. "Aber drei bis vier Prozent Umsatzplus müssten sich dennoch ausgehen, wenn wir uns anstrengen", sagte Smeral.

Im Gleichschritt in die Rezession

Der Tourismusexperte wies darauf hin, dass sich erstmals seit langer Zeit die drei großen Wirtschaftsblöcke USA, Europa und Asien fast gleichzeitig auf dem Weg in eine Rezession befinden. Im dritten Quartal 2002 sollte es den meisten Prognosen zufolge wieder aufwärts gehen mit der Weltwirtschaft. Umgelegt auf den Tourismus würde das heißen, dass mit kräftigeren Zuwachsraten in der Branche ab Ende 2003 zu rechnen ist.

Die im Zusammenhang mit den Terrorattacken vom 11. September in New York und Washington aufgetretene Verunsicherung in der Reisebranche sollte in einem überschaubaren Zeitraum aus dem Weg geräumt werden können. Smeral verwies auf den Golfkrieg Anfang der Neunzigerjahre. Vor dem Überfall des Irak auf den Nachbarstaat Kuwait wurden im Monatsdurchschnitt 400.000 Übernachtungen von Gästen aus den USA in österreichischen Betten gezählt; kurz darauf waren es nur mehr 40.000. "In zwei bis drei Jahren war man wieder auf dem alten Niveau", sagte Smeral.

Als Folge der Terrorattacken ortet der Tourismusexperte ein deutlich höheres Sichereitsbewusstsein in der Bevölkerung. Österreich könne als nahes, sicheres und mit dem Auto erreichbares Land kurzfristig von den Terroranschlägen profitieren. Vom Ausbleiben der Überseegäste sei hingegen der Städtetourismus betroffen. In der Gesamtbilanz des Tourismus schlage dies aber kaum durch. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 24.11.2001)

Share if you care.