Flexwork: Aus für Politgeschäfte

23. November 2001, 19:18
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Kritik am "Leihvertrag" für Forstingers Kabinettschef zeitigt Folgen

Wien - "Ich war in meinem Leben nie arbeitslos, keinen einzigen Tag", bekräftigt Hans Jürgen Miko, Kabinettschef von Infrastrukturministerin Monika Forstinger. Tatsächlich war der "Turnaround-Manager" (Eigendefinition) bis 31. Dezember 2000 im Dienste der Papierfirma Roman Bauernfeind und fing am 1. Jänner 2001 bei Forstinger mit dem neuen Job an.

Obwohl Manager Miko weder arbeitslos noch Wiener war, verhalf ihm ausgerechnet "flexwork" zum neuen Job. Flexwork ist ein gemeinnütziger Verein, der gegründet wurde, um arbeitssuchenden Wienern - vor allem Langzeitarbeitslosen und Problemgruppen - Arbeit zu verschaffen oder Beschäftigte zu qualifizieren. Miko ist bei "flexwork" angestellt und an Forstinger "verliehen".

"Ich wurde gebeten, im Ministerium zu helfen und eine bestimmte Zeit zur Verfügung zu stehen", erinnert sich Miko heute. Weil das Ministerium seine Personalkosten nicht aufblähen (Leihpersonal fällt unter Sachaufwand) und Miko kein Beamter werden wollte, entschloss sich das Ministerium zu dieser "Leihvariante".

Öllinger hat kein Verständnis

Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen, hat für das Einschalten von flexwork absolut kein Verständnis: "Es ist nicht die Aufgabe von flexwork, Ministerbüros mit Managern zu beschicken, die gar nicht arbeitslos sind." Als Tochter des Wiener ArbeitnehmerInnenfonds (Waff) solle sich flexwork lieber um die eigentliche Klientel kümmern, etwa um Frauen oder Ältere.

Waff-Chef Fritz Meißl hat inzwischen per Weisung die Vermittlung politischer Berater generell untersagt. Trotz aller Kritik an der politisch unsensiblen Vorgangsweise des flexwork-Managementes, versucht Meißl, es zu verteidigen: Mit dem Geld, das flexwork durch die Miko-Vermittlung verdiene, könnten Arbeitslose unterstützt werden. Zudem könne flexwork den "Wunschkandidaten" eines guten Kunden nicht abschlagen, der - wie im Falle Forstinger - vorher Langzeitarbeitslose übernommen habe.

(DER STANDARD, Printausgabe, 24.11.2001)
von Lydia Ninz
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