Langerblock: Aus "elend" wird "edel"

23. November 2001, 19:04
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Aus einem Schandfleck wird ein modernes Wohnviertel

Wien - Wohnbaustadtrat Werner Faymann (SP) war sicher: Die neuen Mieter werden nicht unter dem Image früherer Zeiten leiden. Denn mit dem, wofür der "Langerblock" noch vor wenigen Jahren gestanden hat, werden jene 180 Wohnungen, die im Frühjahr 2002 bezugsfertig sein sollen, nichts gemein haben. Im Gegenteil. "Heute", so Faymann, "ist ein schöner Tag für einen Wohnbaustadtrat.

Noch vor drei Jahren stiegen Politikern die Grausbirnen auf, sobald die Rede auf den Block in Hernals kam: Der Langerblock war das Paradebeispiel für Spekulation auf dem Rücken Recht- und Wehrloser. Bis zu 2000 Schilling wurden hier für "Wohnungen" verlangt, die der Bezeichnung "Loch" spotteten.

Damit ist es vorbei: Im Kleinkunstlokal "Kulisse" - dem Block verbunden, seit dieser dem Lokal bei Abbrucharbeiten tatsächlich auf den Kopf fiel - erläuterte Faymann, wie es in Zukunft zwischen Rosensteingasse, Lobenhauerngasse, Gschwandnergasse und Geblergasse aussehen soll: Die Bauarbeiten am "Wohnraum Rosensteingasse" schritten zügig voran, Verzögerungen habe es bei der Aufbereitung des Untergrunds gegeben: Das Gelände befindet sich auf ehemaligem Sumpfgebiet.

Sauna für alle

Elf Liegenschaften wurden von den Bauträgern "Neue Heimat/Gewog", "Österreichische Siedlungshilfe" und "Familienwerk" erworben. Zwei Althäuser werden saniert, auf den übrigen Flächen entstehen Neubauten. Auf 16.300 m² Nutzfläche (Wohnfläche: 12.600 m²) entsteht ein Mix aus geförderten Mietwohnungen mit Eigentumsoption und frei finanzierten Eigentumswohnungen. Geboten werden Gemeinschaftsräume, Fitnessbereiche und für alle zugängliche Dachbereiche. Der Komplex ist als Niedrigenergiehaus konzipiert, für WC-Spülungen und Grünraumbewässerung wird Nutzwasser verwendet.

Neben Autostellplätzen soll Car-Sharing geboten werden. Schließlich hätte praktisch jeder Haushalt ein Auto - Car-Sharing senke die Zweitwagendichte.

Dennoch, betonte Faymann, baue die Stadt nicht nur für Wohlbestallte. Dafür zeuge der Mix aus Eigentums- und Mietwohnungen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Stadt in eine Zone der Reichen, eine Zone der mittleren Verdiener und in Zonen, wo man lieber gar nicht hingeht, zerfällt." Um zu verhindern, dass der Kampf gegen Spekulanten auf dem Rücken ihrer Opfer ausgetragen wird, stelle die Stadt weiterhin Notfallwohnungen. (rott, DER STANDARD Print-Ausgabe 24/25.11.2001)

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