Neue Substanz gegen Nierenzellkarzinom

23. November 2001, 20:00
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Capecitabine wirkt "tumoraktiviert"

Wien - Der gezielte Angriff auf Tumorzellen bei weitgehender Schonung des gesunden Gewebes ist in der Behandlung von Tumorerkrankungen ein besonders vielversprechender Ansatz. Auch bei Patienten mit Nierenzellkarzinom scheint sich diese Strategie zu bewähren, wie Forscher an der Wiener Universitätsklinik unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Günther Steger nun herausgefunden haben. Mit der neuen Substanz Capecitabine ("Xeloda") wurden laut einer Aussendung bemerkenswerte Erfolge erzielt.

"Das Nierenzellkarzinom ist ein besonders schwierig zu behandelnder Tumor. Bei den meisten Patienten sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung schon Metastasen nachweisbar, außerdem spricht dieser Tumor sehr schlecht auf herkömmliche Behandlungsmethoden an", erklärte Steger.

Eine Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten hat sich das Team um den Onkologen von der neuen, gezielt angreifenden Substanz Capecitabine versprochen. Capecitabine wirkt "tumoraktiviert", d.h. erst nach Umwandlung im Körper entsteht der zellschädigende Wirkstoff. Diese Umwandlung findet fast ausschließlich in den Krebszellen statt.

"Deshalb kommt es im Tumor zu einer Anreicherung des Zellgiftes, während das gesunde Gewebe weitgehend verschont bleibt", sagte Steger.

Ergebnisse vielversprechend

Klinische Studien mit Capecitabine bei Patienten mit Dickdarmkrebs und Brustkrebs haben zu viel versprechenden Ergebnissen geführt. Daher bestand die Hoffnung, dass mit dieser Substanz auch schwer behandelbaren Patienten mit Nierenzellkarzinom geholfen werden kann.

Eine nun abgeschlossene klinische Studie scheint diese Hoffnung zu bestätigen, erläuterte der Onkologe: "Wir sind zuversichtlich, dass mit Capecitabine für die Behandlung des Nierenzellkarzinoms eine wichtige Verbesserung der Behandlungsergebnisse gelingen könnte".

In der Studie von Steger wurden nur Patienten mit Capecitabine behandelt, die auf eine herkömmliche Therapie nicht mehr angesprochen hatten und für die es nach derzeitigem Wissensstand praktisch keine wirksame Therapie gibt. Der Wissenschafter: "Trotz dieser Auswahl an besonders schwer behandelbaren Patienten konnte durch die Gabe von Capecitabine bei mehr als 80 Prozent eine therapeutische Wirkung erzielt werden".

Ansprechrate

Bei zehn Prozent der Patienten kam es zu einer größeren Rückbildung des Tumors, bei weiteren 20 Prozent zu geringerer Rückbildung und bei 56 Prozent konnte das Fortschreiten der Erkrankung für zumindest einige Monate gestoppt werden, was insgesamt einer Ansprechrate bei rund 86 Prozent der Patienten entsprach.

Das Nierenzellkarzinom ist im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen (z.B. Lungenkrebs, Brustkrebs) ein eher seltener Tumor, aber die Häufigkeit nimmt stetig zu. Man schätzt, dass sich die Anzahl der Todesfälle infolge eines Nierenzellkarzinoms in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt hat. (APA)

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