1.800 Jahre alte "Lottokugeln" in Deutschland entdeckt

23. November 2001, 18:21
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Aus der Ziffernfolge wurde auch die Zukunft prophezeit

Treis-Karden - Die ältesten "Lottokugeln" Deutschlands hat die ZDF-Lottofee Heike Maurer am Freitag ins Rollen gebracht. Anlass war die Präsentation des archäologischen Fundes im Mosel-Weinort Treis-Karden. Die 1.800 Jahre alten "Glückskugeln" wurden bei Ausgrabungen unter zahlreichen Opfergaben in der kelto-romanischen Kultstätte Martberg ("Berg des Mars") bei Pommern an der Mosel entdeckt.

Ausgrabungsleiter Martin Thoma vom Landesamt für Archäologische Denkmalpflege sagte, die zwei Zentimeter großen, aus feinem weißen Ton gebrannten Kugeln seien durchaus antike Vorläufer unserer heutigen Lottokugeln. Nach Ansicht der Altersforscher dürften sie innerhalb des Tempelbezirks in Zusammenhang mit einem Orakel genutzt worden sein.

"Im Rahmen dieser Orakeldeutungen oder auch Losungen beispielsweise um ein öffentliches Amt oder Parzellen wurden von einem Priester oder den Losziehenden die Tonkugeln entnommen", erklärte der Leiter des Landesamts, Hans Wegener. Professionelle Losdeuter prophezeiten Ratsuchenden auch die Zukunft aus der Ziffernfolge.

Der Fund wird wegen der Seltenheit als von großem Wert eingeschätzt. Im Bereich eines römischen Tempels des zweiten bis dritten Jahrhunderts nach Christus geben die Ziffernkugeln den ältesten Hinweis auf ein Losverfahren nördlich der Alpen, wie Thoma erklärte. Nur drei weitere Kugeln im wenige Kilometer entfernten Karden und einige Kugeln aus der römischen Siedlung von Nidda Heddersheim in Hessen seien vergleichbar. (APA/AP)

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