"Hinschauen, nicht wegschauen!"

23. November 2001, 16:14
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SPÖ-Frauen fordern weiteren Ausbau der Gewaltinterventionsstellen in ganz Österreich

Wien - Da der Text so am besten für sich steht, folgt hier der Aufruf der SPÖ-Frauen anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen im Original:

"Man möchte es nicht wahrhaben, man will es nicht sehen - aber es ist da: das Anwenden von Gewalt an Frauen und Kindern begegnet uns alltäglich. In Österreich gibt jede zweite Frau an, in ihrem Bekanntenkreis eine betroffene Geschlechtsgenossin zu kennen. Tatsächlich wird jede fünfte bis zehnte Frau in einer Paarbeziehung misshandelt.

Gewalt wird aber nicht nur in Österreich, nicht nur im zumeist häuslichen Bereich, vom anonymen Täter ausgeübt. So sehr hier auch alle aufgerufen sind, sich einzumischen: der Welttag gegen Gewalt an Frauen ist nicht ausschließlich ein Appell an die Zivilcourage der Bevölkerung, sondern ist auch wesentlich mit der Wertung der politischen Prioritäten und Zielsetzungen verknüpft. Vieles kostet Geld, für anderes heißt es, sich - auch wenn es unbequem wird - für die Sache der Frauen stark zu machen. Die misshandelten Frauen benötigen vor allem professionelle Unterstützung, das Gefühl von Sicherheit und konkrete Hilfe. Die Gewaltinterventionsstellen bieten all das an, aber es gibt zu wenige. Die SPÖ-Frauen wollen nicht wegschauen, sondern fordern den weiteren Ausbau der Gewaltinterventionsstellen in ganz Österreich, sowie die Verbesserung des Opferschutzgesetzes.

Gewalt kann aber auch per Gesetzesbeschluss geschürt werden. Gibt man gewaltbereiten Menschen legistische Mittel in die Hand, werden sie diese nutzen. Genau das ist mit dem neuen Gesetz zum Kindschaftsrecht zu befürchten. Mit der gemeinsamen Obsorge ist ein Instrument geschaffen worden, das wenig verbessert, aber eine große Bandbreite an Missbrauch ermöglicht. Die Opfer der zu erwartenden schier endlosen Streitereien und Auseinandersetzungen sind in diesem Fall zumeist Mütter und Kinder. Die SPÖ-Frauen schauen auch hier nicht weg: ein besseres Auskommen der Eltern miteinander und mehr Verständnis für einander lässt sich nicht gesetzlich aufoktroyieren. Wir fordern daher klare Verhältnisse nach der Trennung - auch im Bereich der Obsorge.

Gewalt an Frauen treffen wir auch im internationalen Bereich an. Die totale Entrechtung der Frauen in Afghanistan ist durch den Krieg gegen das Terror-Regime in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Die Frauen der Menschenrechtsorganisation RAWA kämpfen bereits seit 25 Jahren gegen die Unterdrückung ihrer Geschlechtsgenossinnen in diesem Land. Die SPÖ-Frauen schauen auch hier nicht weg, sondern unterstützen die Frauen von RAWA und fordern die EntscheidungsträgerInnen im In- und Ausland auf, darauf hinzuarbeiten, dass diese Organisation bei einer Neustrukturierung der Machtverhältnisse mitwirken kann.

Gewalt an Frauen begegnet uns aber auch in der wohl am krassesten vorstellbaren Form, in der Beschneidung der Genitalien von Frauen und Mädchen. Gegen diese extreme Körperverletzung, die aus Tradition und Unwissenheit weltweit an jeder dritten Frau im Mädchenalter durchgeführt wurde, und die auch heute noch praktiziert wird, treten die SPÖ-Frauen vehement auf. Ein heuer beschlossenes Gesetz, das in Folge einer Initiative unserer SPÖ-Bundesfrauenvorsitzenden Barbara Prammer zustande kam, verankert diese grausame Verstümmelung zu einem eigenständigen Delikt im österreichischen Strafrecht.

Die oben genannten Beispiele sind nur einige von vielen Facetten der Gewalt. Aber für alle gilt:

Die SPÖ-Frauen werden gegen Gewalt an Frauen ankämpfen, solange es diese gibt.
Wir schauen hin, nicht weg!"

(red)

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