Widerstand deutscher Medienkonzerne gegen Liberty wächst

23. November 2001, 15:12
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Kritik an eigenem digitalen Standard des US-Kabelnetzbetreibers

Der Widerstand der deutschen Medienunternehmen gegen die geplante Übernahme großer Teile des TV-Kabelnetzes in Deutschland durch den US-Konzern Liberty Media wächst. Nachdem sich der Medienkonzern Bertelsmann und seine Tochter RTL beim Bundeskartellamt gegen die Pläne von Liberty Media ausgesprochen haben, drohte auch die Kirch-Gruppe, Bertelsmanns stärkster Konkurrent auf dem deutschen TV-Markt, mit einer Beschwerde beim Kartellamt.

Eigener Standard

Die Betreiber privater TV-Sender kritisieren die Pläne von Liberty, einen eigenen Standard für das digitale Fernsehen in Deutschland einführen zu wollen. Sie befürchten zudem, dass der US-Konzern bestimmte Sender nicht in das Netz einspeist. Von Liberty Media war zunächst keine Stellungnahme erhältlich. Der US-Konzern hatte sich im September mit der Deutschen Telekom auf die Übernahme von sechs regionalen Kabelnetzen für 5,5 Mrd. Euro (75,7 Mrd. S) geeinigt. Das Geschäft muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Kartellamtsprüfung steht ausB

Liberty wäre jedoch nicht nur reiner Kabelnetzbetreiber sondern auch Inhalte-Anbieter, weil das Unternehmen verschiedene Spartenkanäle besitzt und an dem US-Medienkonzern AOL Time Warner beteiligt ist. Eine solche Verbindung hatten die Wettbewerbshüter in Deutschland bisher untersagt. Experten rechnet deshalb damit, dass das Bundeskartellamt die Übernahme der Kabelnetze nur mit strengen Auflagen genehmigt.

Unterdessen hat Liberty beim Bundeskartellamt die Genehmigung für den Kauf einer Minderheitsbeteiligung an dem Kirch-Bezahlsender Premiere World beantragt (etat.at berichtete). Liberty hatte bereits ein Interesse an der Übernahme des 22-prozentigen Anteils der News Corp an Kirch-PayTV geäußert und erklärt, die Gespräche mit dem australischen Medienkonzern stünden kurz vor dem Abschluss. Liberty-Chef John Malone hatte diese Pläne allerdings relativiert und gesagt, er würde eine vertragliche Vereinbarung über eine gemeinsame Vermarktung des Programms mit Kirch gegenüber einer Kapitalbeteiligung bevorzugen. Die Kirch-Gruppe, die einem Verkauf des von News Corp gehaltenen Premiere-Anteils zustimmen muss, hatte sich nicht sehr erfreut über diese Perspektive gezeigt. (APA/Reuters)

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