Institut für höhere Studien für "intelligentes Konjunkturprogramm"

23. November 2001, 15:26
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Leiter Bernhard Felderer fordert Maßnahmen

Wien - "Es kommt nicht drauf an, in die Wirtschaft mehr Geld hineinzupumpen, sondern Maßnahmen zu setzen, die die Stimmung im Land verbessern, bei den Konsumenten und den Investoren". Der Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer, regt vor dem von der Regierung für kommenden Donnerstag angekündigten "Konjunkturgipfel" an, bei jeder vorgeschlagenen Maßnahme deren Wirkung auf die Gesamtwirtschaft zu hinterfragen. Insgesamt sieht Felderer die Konjunkturaussichten keinesfalls pessimistisch. "Die Stimmung ist viel schlechter als die tatsächlichen Gründe, die zu dieser Stimmung geführt haben", sagte Felderer.

Kein keynsianisches Konjunkturprogramm

Dass ein hohes Engagement der öffentlichen Hand im Sinne keynesianischer Konjunkturprogramme die Wirkung verfehlen könne, zeigten die Beispiele in Deutschland und in Japan. In Deutschland habe die Steuerreform keinen Aufschwung gebracht, und in Japan sei das bereits anhand einer ganzen Serie an Konjunkturprogrammen ersichtlich. "Es braucht intelligente Konjunkturprogramme", so Felderer. An Beispielen nannte Felderer das Vorziehen von Infrastrukturinvestitionen. Wirksamer wäre noch eine Verbesserung und Renovierung des Wohnungsbestandes, da damit besonders viele Arbeitsplätze geschaffen werden könnten.

Diskussion in Österreich nur "Streit um Worte"

Die Diskussion, ob Österreich in eine Rezession (eine Periode mit schrumpfender Volkswirtschaft) schlittere ist für Felderer ein "Streit um Worte". Eine Rezession könne im Jahresvergleich definiert werden, im Quartalsvergleich oder auch im Vergleich zweier aufeinanderfolgender Monate. Eine Abwärtskorrektur der September-Prognose der heimischen Wirtschaftsforscher (das Wifo hat das BIP-Wachstum 2002 mit 1,9 Prozent angesetzt, das IHS mit 1,7 Prozent) sei bereits angesagt worden, aber dennoch habe Österreich eine "gute positive Wachstumsrate" zu erwarten. "Das ist unsere Sicht der Dinge", so Felderer.

International scheine ziemlich sicher zu sein, dass Amerika nach dem Terrorschock des 11. September "langsam Aufwind bekommt". Das sei aus mehreren Indices erkennbar, aber "noch nicht so eindeutig". In Deutschland sehe es dagegen "nicht gut aus", es gebe laufend Korrekturen der Wachstumsrate nach unten. Andererseits seien die Autokäufe in Deutschland im Oktober auf Rekordniveau gewesen, wovon die österreichische Zulieferindustrie profitiere.

Arbeitslosenquote Saisonal bereinigt zu betrachten

Die Entwicklung der Arbeitslosenrate sei sicher ernst zu nehmen, doch müsse sie saisonal bereinigt betrachtet werden. Die Beschäftigungsprobleme kämen nicht vom Tiefbau sondern vom Hochbau, wo Österreich jahrelang sehr viel produziert habe und die Bautätigkeit jetzt dem geänderten Bedarf anpassen müsse. Keinen Kommentar wollte Felderer zur heutigen Forderung von FP-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn einer Zusammenlegung der Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS geben. "Ich verstehe den Standpunkt, aber das ist Sache der Politiker und nicht unsere", sagte Felderer. (APA)

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