Petrovic: "Hohn, wenn die Frauen, die sich für Demokratie eingesetzt haben, ausgesperrt bleiben"

23. November 2001, 14:25
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Grüne Frauensprecherin fordert politische Mitsprache von Afghaninnen

Wien - Die Frauensprecherin der Grünen, Madeleine Petrovic, hat am Freitag die Beteiligung von Frauen an der künftigen afghanischen Führung gefordert. "Die afghanischen Frauen müssen erstens zur Afghanistan-Konferenz eingeladen und zweitens an der Regierung beteiligt werden. Es ist ein Hohn, wenn ausschließlich jene Männer zusammensitzen und sich die Regierungssitze ausmachen, die sich bisher immer nur gegenseitig bekämpft haben und die Frauen, die sich für Demokratie eingesetzt haben, ausgesperrt bleiben", erklärte die stv. Klubobfrau Petrovic anlässlich des am Sonntag begangenen Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen in einer Aussendung.

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Auch Österreich sei "keine Insel der Seligen" im Umgang mit dem Thema "Gewalt gegen Frauen" sei. So finanziere Minister Herbert Haupt (F) zwar angeblich eine "Kampagne gegen Gewalt" (von der nach Ansicht von Petrovic wenig zu bemerken ist), andererseits träten bei Enqueten seines Minsteriums Referenten auf, die als 'Thesen zur männlichen Identität' u.a. verbreiteten: "Vieles hat sich in der Zwischenzeit als Behauptung herausgestellt, z.B. dass Männer in Beziehungen gewalttätiger sind". Mit solchen Aussagen werde das ohnehin viel zu lang tabuisierte Problem männlicher Gewalt gegen Frauen skandalöserweise nun wieder von Regierungsseite geleugnet, so Petrovic.

Besonderen Handlungsbedarf sehen die Grünen bei der Thematisierung und Beseitigung von struktureller, indirekt gegen Frauen wirkender Gewalt. Diese äußere sich etwa darin, dass Frauen nach wie vor kaum in Spitzenpositionen vertreten sind, weil es institutionelle Strukturen - an den Universitäten, in großen Unternehmen, in der Politik - nicht zulassen; sie äußere sich in sprachlicher Diskriminierung, Sexismus in der Werbung oder in angeblich geschlechtsneutralen, real aber verstärkt gegen Frauen wirkenden politischen Maßnahmen wie z.B. Studiengebühren.
(APA)

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