Telekom Austria-Aufsichtsrat berät am Montag neue Struktur und KV

23. November 2001, 14:09
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Festnetzgeschäft soll in Infrastruktur und Endkundenservice geteilt werden - Technikvorstand Fischer soll beide Bereiche leiten

Der Aufsichtsrat der börsenotierten Telekom Austria (TA) soll am kommenden Montag ab 15 Uhr laut Tagesordnung die Neunmonatsergebnisse des Ex-Monopolisten, die Neustrukturierung des Festnetzgeschäfts und den neuen, ab Jänner 2002 geltenden Kollektivvertrag absegnen. Am kommenden Dienstag will das Unternehmen, das bereits am 21. November Umsatz und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) der ersten drei Quartale 2001 bekannt gegeben hat, auch die restlichen Neunmonatszahlen veröffentlichen.

Festnetzgeschäft soll aufgeteilt werden

Laut Plan soll das Festnetzgeschäft der Telekom künftig in die zwei Bereiche Wholesale (Infrastruktur) für alternative Telekom-Kunden und Retail (Endkundenservice) für Privat- und Geschäftskunden geteilt werden. Beide Bereiche sollen vom derzeitigen TA-Technik-Vorstand Rudolf Fischer geleitet werden, wie es aus Unternehmenskreisen zur APA hieß.

Die Position des TA-Vorstandsvorsitzenden Heinz Sundts steht dem Vernehmen nach nicht mehr zur Debatte. Der Vorstand des TA-Haupteigentümers ÖIAG (47,8 Prozent), Peter Michaelis soll sich zuletzt demonstrativ hinter Sundt gestellt haben. Die Diskussion sei jetzt endgültig erledigt, hieß es.

Fixpunkt: Kollektivverträge

Ein fixer Punkt auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats ist die Absegnung der ab Jänner 2002 geltenden Kollektivverträge in der TA. Management und Arbeitnehmervertreter haben nach seit Anfang Oktober laufenden zähen Verhandlungen eine Einigung für die 18.000 Mitarbeiter in der Telekom Austria-Gruppe - Telekom Austria, Mobilkom, Jet2Web Internet und Datakom - erzielt. "Das Paket ist geschnürt", sagte der oberste TA-Betriebsrat Erich Huhndorf am Freitag zur APA. Er gehe davon aus, das niemand auch nur andenke, am Montag das Paket aufzuschnüren.

Details über den neuen KV soll es am Montag Abend geben. Neben der Gehaltserhöhung im kommenden Jahr wurde auch die Umstufung von rund 3.000 Vertragsangestellten in einen neuen Kollektivvertrag und den damit verbundenen Wegfall von Biennalsprüngen für diese Mitarbeiter diskutiert. Darüber hinaus wurde auch die Einrichtung einer Pensionskassa verhandelt.

Brisantes Thema: Eigentümerveränderung

Neben Umstrukturierung, Neunmonatsergebnissen und Kollektivvertrag wird der Aufsichtsrat am Montag aber auch über ein anders brisantes Thema diskutieren, nämlich die anstehende Eigentümerveränderung. Nach monatelangen Gerüchten über einen Ausstieg der Telecom Italia, die 29,8 Prozent an der TA hält, haben die Italiener kürzlich ihre Absicht offiziell bestätigt, sich aus ihrem Österreich-Engagement zurückziehen und ihre Anteile an der TA und an deren Mobilfunktochter Mobilkom Austria (25 Prozent) verkaufen zu wollen.

Auch ÖIAG will sich zurückziehen

Laut Syndikatsvertrag darf sich die TI nicht vor Oktober 2003 von ihrem TA-Anteil trennen, mit Zustimmung der ÖIAG ist dies aber möglich. Die ÖIAG selbst, die 47,8 Prozent an der TA hält, will sich Unternehmenskreisen zufolge ebenfalls aus der TA zurückziehen. Noch offen ist, ob die ÖIAG den Festnetz- und Mobilfunkbereich im Paket oder getrennt verkaufen wird. Ein neuer Eigentümer würde voraussichtlich auch den Privatanlegern - 22,4 Prozent der TA stehen in Streubesitz - ein Übernahmeangebot unterbreiten, was den Totalverkauf der TA zur Folge hätte.

Das weitere Vorgehen in Sachen TA-Verkauf soll künftig von zwei von ÖIAG und Telecom Italia beauftragten Arbeitsgruppen beraten werden. (APA)

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