Warum Individuen auch ohne eigenen Nutzen kooperieren

25. November 2001, 19:55
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Computersimulationen sind einem Verhaltens- Grundmuster auf der Spur

Wien - Die Frage, warum Individuen kooperieren, auch ohne einen unmittelbaren, eigenen Nutzen davon zu haben, ist fast so alt wie die Evolutionstheorie selbst. Unter anderem durch Computersimulationen versuchen Wissenschafter, dem Phänomen auf die Spur zu kommen. Einen aktuelle Studie zeigt nun, dass Ähnlichkeiten - sei es im Verhalten oder im Aussehen - Kooperationen fördern.

Die Untersuchung von Rick Riolo von der University of Michigan wurde in der jüngsten Ausgabe US-Wissenschaftszeitschrift "Nature" veröffentlicht. Die beiden österreichischen Mathematiker Karl Sigmund von der Universität Wien und Martin Nowak vom renommierten Institute for Advanced Study in Princeton (New Jersey, USA) schlossen sich mit einen Kommentar dazu an.

Relativ einfach ist die Erklärung scheinbar uneigennütziger Kooperationen zwischen Verwandten. Dadurch, dass das Kollektiv einen Vorteil hat, sorgt das Individuum dafür, dass ähnliche - weil verwandte - Gene weitergegeben werden. In der realen Welt arbeiten aber auch Nicht-Verwandte zusammenarbeiten, ohne diese Tatsache würde unser ganzes Wirtschaftssystem so nicht funktionieren.

Programmierung

Die virtuellen Akteure in den Computer-Simulationen hatten nur sehr eingeschränkte Möglichkeit zur Wahrnehmung ihrer - ebenfalls virtuellen - Umgebung. Sie waren so programmiert, dass sie ihren Mitspielern helfen sollten, sobald sie Ähnlichkeiten an diesen entdeckten. "Die Simulationen regen an, Ähnliches in der Realität zu finden", so Sigmund. Es zeigte sich, dass sich unter allereinfachsten Voraussetzungen Kooperation ausbilden kann, die auf Ähnlichkeiten - etwa im Aussehen oder der Sprache - beruht. Die virtuellen Akteure kooperierten und schlossen sich zu Gruppen zusammen, deren Größe mit zunehmender Simulationsdauer mehr oder weniger pulsierte. Zu groß gewordene Cliquen konnten sich auch auflösen. Manchmal entstanden Untergruppen.

Von aktuellem Interesse und damit vergleichbar ist für Sigmund die Tatsache, dass offenbar auch die Toleranz und die Neigung zur Kooperation in der Gesellschaft Auf- und Ab-Bewegungen unterworfen ist. Dass wir auf Ähnlichkeiten ansprechen und ähnlich handelnden oder aussehenden Individuen eher helfen als sehr fremden, liegt für den Wissenschafter wiederum in der Tatsache begründet, dass damit "ähnliche Gene" erkannt und gefördert werden sollen. (APA)

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