Deutscher Provider sperrt auf Druck rechtsradikale US-Seiten

23. November 2001, 13:17
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ISIS: "Die Provider sind immer die Dummen"

Auf Druck der Düsseldorfer Bezirksregierung sperrt der lokale Internet Service Provider ISIS den Zugang zu vier US-Webseiten mit rechtsradikalen Inhalten. Die Maßnahme kommt nach einer mehrtägigen Auseinadersetzung zwischen der Bezirksregierung und dem Provider. Der Provider wollte nach eigenen Angaben die Sperre nicht umsetzen, da sie als Zensur aufgefasst werden könnte. "Wir Telekommunikationsunternehmen können in so einer Situation machen was wir wollen, wir sind immer die Dummen. Sperren wir, wird Zensur beklagt. Tun wir nichts, fördern wir angeblich den Rechtsradikalismus", beklagt ISIS- Geschäftsführer Horst Schäfer. Der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow, der zugleich die Medienaufsicht für Nordrhein-Westfalen überhat, hatte unter anderem mit Bußgeld gedroht.

Technische Probleme oder auch nicht

ISIS hatte ursprünglich eine Sperre dieser Seiten unter Hinweis auf technische Probleme abgelehnt. Ein Techniker des Unternehmens hatte allerdings danach eigenmächtig mit einem Eingriff in das DNS-System, Kunden des Betreibers, die die vier rechtsradikalen Seiten aufrufen wollten, auf eine Seite der Bezirksregierung umgeleitet. Diese Maßnahme wurde allerdings von der Geschäftsführung nach einigen Tagen aufgehoben, bevor sie jetzt wieder in Kraft gesetzt wurde.

CCC ist dagegen

"Unsere Ablehnung dieser technischen Lösung bleibt bestehen. Sie bietet so viele Hintertüren, dass sich ein solcher Aufwand nicht rechtfertigen lässt", legt Schäfer die Position seines Unternehmens fest. Inzwischen kommt auch Kritik vom Chaos Computer Club (CCC), der das Vorgehen der Düsseldorfer Bezirksregierung als ungerechtfertigte Zensur kritisiert. Der CCC befürchtet in einer Aussendung den Missbrauch einer ausgereiften technischen Lösung. (pte)

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