Behandlung von Afghaninnen war "Affront gegen Menschlichkeit"

23. November 2001, 13:05
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Kofi Annan: Erklärung zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

New York - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Sonntag die Entrechtung von Frauen und Mädchen in Afghanistan angeprangert. "Die Behandlung von Frauen und Mädchen in Afghanistan in den vergangenen Jahren war ein Affront gegenüber allen Standards der Würde, der Gleichheit und der Menschlichkeit. Jetzt, da wir vor einer bedeutsamen politischen und humanitären Herausforderung in Afghanistan stehen, die auch die Frage der Menschenrechte berührt, wird die Notlage der Frauen eine der wichtigsten Aufgaben für die Vereinten Nationen sein", so Annan in einer Aussendung.

Kein Frauenthema

Gewalt gegen Frauen sei ein globales Phänomen, gegen das kein Land, keine Gesellschaft und keine Gemeinschaft immun sei.
"Gewalt gegen Frauen ist kein 'Frauenthema', sondern betrifft uns alle und besonders Männer", unterstreicht Annan. "Männer müssen dem entgegentreten, was eigentlich als Gewalt der Männer gegen Frauen bezeichnet werden sollte. Sie müssen auch die gleichberechtigte Rolle und die Rechte der Frauen anerkennen. Wenn es um Gewalt gegen Frauen geht, kann es keine Toleranz und keine zulässigen Entschuldigungen geben". Abschließend erinnert Annan an die Worte eines Mitglieds einer afghanischen Frauengruppe: "Sie sagte: 'Die Gesellschaft ist wie ein Vogel. Sie hat zwei Flügel und ein Vogel kann nicht fliegen, wenn ein Flügel gebrochen ist.' Lassen Sie uns sicherstellen, dass alle Gesellschaften mit beiden Flügeln, mit gleicher Stärke und gleicher Würde,fliegen können."

Vor einem Jahr haben die Staats- und Regierungschefs in der Milleniums-Erklärung bekräftigt, dass "Männer und Frauen das Recht besitzen, ihr Leben zu leben und ihre Kinder in Würde, ohne Hunger und ohne Angst vor Gewalt, Unterdrückung und Ungerechtigkeit aufzuziehen," erinnerte Annan.

Resolution gegen geschlechtsspezifische Gewalt

Ebenfalls im letzten Jahr habe der Sicherheitsrat zum ersten Mal die Situation von Frauen in bewaffneten Konflikten erörtert und die Resolution 1325 verabschiedet. Darin werden alle Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Repräsentation von Frauen auf allen Ebenen der politischen Entscheidungsfindung zu verstärken, wenn über Friedensvereinbarungen verhandelt wird oder diese umgesetzt werden. Alle an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien werden dazu aufgerufen, Frauen und Mädchen vor geschlechtsspezifischer Gewalt, besonders vor Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch, zu schützen.

Außerdem betonte die Resolution die Verantwortung aller Staaten, diejenigen strafrechtlich zu verfolgen, die für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, einschließlich sexueller und anderer Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen, verantwortlich sind. Die Unterzeichnung der UNO-Konvention gegen transnationales Verbrechen habe begonnen, die auch den Menschenhandel, besonders mit Frauen und Kindern verhindern soll.

Historie

Das Datum des 25. November wurde gewählt in Erinnerung an die drei Schwestern Patria, Maria Theresa und Minerva Mirabal. Die Schwestern wurden aufgrund ihres Widerstands gegen das dominikanische Trujillo Regime am 25. November 1960 ermordet. Frauen und Männer in der ganzen Welt nutzen diesen Tag, um dem Thema Gewalt gegen Frauen öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.
(APA)

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