Frauen und Kinder von Unterernährung bedroht

23. November 2001, 12:34
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Welternährungsprogramm startet Luftbrücke nach Afghanistan

Quetta/Islamabad/Rom - Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat am Freitag eine Luftbrücke zur Versorgung der Notleidenden in Afghanistan gestartet. Eine Transportmaschine brachte von Südtadschikistan aus rund 17 Tonnen Weizenmehl nach Feisabad, die Hauptstadt der Provinz Badachschan im äußersten Nordosten von Afghanistan. Von dort sollen die Hilfsgüter mit Lastwagen in abgelegene Gebiete dieser Region gebracht werden, in der nach WFP-Angaben mehr als 270.000 Menschen akut vom Hungertod bedroht sind. In den kommenden Wochen seien pro Tag vier Flüge geplant.

Ältere Frauen ignoriert

Mehrere Hilfsorganisationen und ÄrztInnen haben am Freitag zudem vor dem zunehmenden Krankheitsrisiko für zehntausende in Afghanistan festsitzende Flüchtlinge gewarnt. Besonders Frauen und Kinder seien von Unterernährung bedroht, sagte der Afghanistan-Direktor der Organisation "Islamische Hilfe", Sikandar Ali, in der pakistanischen Grenzstadt Quetta. Zwar werde kohlenhydratreiche Nahrung angeliefert, doch vor allem Kinder würden dringend Milchprodukte benötigen. Während ältere Frauen weitgehend ignoriert würden, seien die Männer wie in Flüchtlingslagern üblich überwiegend in relativ guter Verfassung, betonte Ali. Ein libyscher Arzt sagte, in den Camps bei Spin Boldak sei nur ein einziger Frauenarzt verfügbar.

Zeit drängt zum handeln

"Die Zeit läuft, der Winter hat begonnen, und wir müssen die Nahrungsmittel so schnell wie möglich zu den am schwierigsten erreichbaren Gebieten Nordostafghanistans schaffen", erläuterte ein WFP-Experte. Mit Hilfe der Luftbrücke könnten die Hilfsgüter schnell und effizient dorthin gebracht werden. Zahlreiche afghanische Dörfer sind den Winter über eingeschneit und können dann nicht mehr erreicht werden. Das WFP versuche, in der Region weitere 240.000 Menschen zu versorgen, deren Situation noch nicht so kritisch sei und die auch während des Winters versorgt werden könnten.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass insgesamt rund 7,5 Millionen AfghanInnen auf Hilfe angewiesen sind, davon sechs Millionen innerhalb von Afghanistan. Für die Versorgung dieser Hungernden mit dringend benötigten Nahrungsmitteln will das WFP rund 257 Millionen US-Dollar (292 Mill. Euro/4.023 Mill. S) ausgeben.

In drei Flüchtlingscamps bei Spin Boldak in der südafghanischen Provinz Kandahar sind nach UNO-Schätzungen bis zu 60.000 Menschen untergebracht. Sie werden jedoch nur in Notfällen über die Grenze nach Pakistan gelassen.
(APA)

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