Österreich hat erstmals einen Fuß in der internationalen Raumstation ISS

23. November 2001, 11:34
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Grünes Licht für "Nationalen Weltraumplan"

Wien - Mit der Finanzierungszusage in Höhe von 100 Mill. S (7,27 Mill. Euro) hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung bei seiner jüngsten Sitzung Grünes Licht für den "Nationalen Weltraumplan" gegeben. Der Direktor der Austrian Space Agency (ASA), Klaus Pseiner, zeigte sich über die Zusage "extrem glücklich".

"Das ist nach langer Zeit eine neue Dimension in unserem Agieren und wird die österreichische Weltraumindustrie und -wissenschaft in eine wesentlich bessere Position bringen", sagte Pseiner. Gemeinsam mit den 727 Mill. S, die Österreich vergangene Woche bei der Ministerkonferenz der Europäischen Weltraumagentur (ESA) für verschiedene Wahlprogramme gezeichnet hat, stehen in den nächsten Jahren 827 Mill. S zur Verfügung.

Für die Vergabe des Geldes will der ASA-Chef einen "enormen Ideenwettbewerb lostreten". Es sollen aber vor allem die bereits identifizierten Stärken ausgebaut werden. Im industriellen Bereich seien dies die vier Schwerpunkte: Materialien und Materialentwicklung, Elektronik, Software-Applikationen sowie die verschiedenen Anwendungen der Weltraumtechnik. Mit den zusätzlichen Mitteln sei man erstmals in der Lage, "wirklich punktgenau auf die Qualifizierungsbedürfnisse unserer Firmen einzugehen". Im wissenschaftlichen Bereich werde es Geld nur für eine Beteiligung an internationalen Projekten geben, rein österreichische Projekte sollen nicht gefördert werden.

Österreich hat erstmals einen Fuß in der internationalen Raumstation ISS

Bei den ESA-Wahlprogrammen hat Österreich bei der Ministertagung in Edinburgh eine Teilnahme an dem Programm ELIPS vereinbart und damit erstmals einen Fuß in der internationalen Raumstation ISS. Das Programm befasst sich mit der möglichst effektiven Nutzung der Station, wobei bei den auf der ISS durchgeführten Forschungen besonderer Wert auf einen möglichst großen Nutzen für die Gesellschaft gelegt wird. Für ELIPS stehen insgesamt 2,28 Mrd. S (166 Mill. Euro) zur Verfügung, Österreich trägt dazu knapp 35 Mill. S bei.

Österreich beteiligt sich auch am europäischen Satellitenprogramm GALILEO, das als Europas Antwort auf das rein amerikanische Global Positioning System (GPS) geplant ist. Es wird gemeinsam von ESA und EU errichtet. Im Endausbau sollen rund 30 Satelliten die Erde umkreisen und für die verschiedensten Anwendungen zur Verfügung stehen, bei denen eine Positionsbestimmung nötig ist, etwa Flottenmanagement oder Verkehrsleitsysteme.

Forschungen laufen schon

Die Verwirklichung von GALILEO schreitet offenbar rascher fort, als Experten vermutet haben. Dass die ESA-Minister bei ihrer jüngsten Sitzung dem 50-prozentigen ESA-Anteil an GALILEO bereits zugestimmt haben, kam auch für ASA-Chef Klaus Pseiner überraschend. Nun fehlt nur noch die Zustimmung der EU-Verkehrsminister, dann kann der Aufbau beginnen. Die Forschungen laufen jedenfalls schon an.

Es ist geplant, dass GALILEO um 2008 in Vollbetrieb geht, bereits 2005 könnte mit drei bis fünf Satelliten ein Probebetrieb gestartet werden, sagte Pseiner. Was Österreich beitragen wird, ist noch nicht völlig klar, es zeichnet sich ab, dass heimische Forscher in den Bereichen Simulation und Orbit-Kontrolle und Onboard-Software mitmischen könnten. Gleiches gilt für Dienstleistungen, die mit dem Positionierungssystem möglich werden.

Hoffen auf Ausbau

Die GALILEO-Beteiligung Österreichs beläuft sich auf knapp 70 Mill. S, das ist knapp ein Prozent der gesamten Finanzierung. Pseiner hofft, dass diese Beteiligung noch ausgebaut wird, "wir hätten eine Option auf 2,5 Prozent", sagte der ASA-Chef.

Österreich beteiligt sich weiters schwerpunktmäßig an ESA-Erdbeobachtungsprogrammen. In diesem Bereich wurden zwei Programme gezeichnet, eines davon ist EARTH WATCH mit einem Gesamtvolumen von 1,61 Mrd. S und einer österreichischen Beteiligung von 11 Mill. S. Durch EARTH WATCH entstehen Landkarten im weitesten Sinne, etwa auch im Hinblick auf Themen wie Klimawandel, Umwelt- oder Katastrophenschutz.

Das zweite von Österreich gezeichnete Erdbeobachtungsprogramm ist EOEP, ein so genanntes Rahmenprogramm mit einem Gesamtbudget von knapp 13 Mrd. S und einem Österreichanteil von 310 Mill. S. EOEP befasst sich als Querschnittprogramm mit den verschiedensten Themen betreffend Satelliten, so etwa mit der Entwicklung von nötigen Instrumenten oder auch Marktentwicklungen.

Auch beim weiteren Ausbau des europäischen Raketenflaggschiffes Ariane V wird österreichisches Know-how gefragt sein. (APA)

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